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Echolot-Kolumne: Die Change-Story – so relevant wie nie

Unruhige Zeiten mit vielen Veränderungen – so wie wir sie gerade erleben – können uns auf unterschiedlichen Ebenen treffen: gesundheitlich, beruflich, finanziell, emotional, psychisch, physisch und auch gesellschaftlich.

Um den Zusammenhalt im Unternehmen in Phasen wie diesen zu erhalten oder wiederzubeleben, brauchen wir eine gemeinsame Geschichte, die das Ziel unseres täglichen Handelns veranschaulicht.

Warum die Change-Story so relevant ist wie nie und wie die Interne Kommunikation den Entstehungsprozess steuern kann, schreibt Andrea Montua in unserer aktuellen Kolumne auf pressesprecher.com

 

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Jetzt dranbleiben – nie war die Interne Kommunikation so sichtbar wie heute

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Wie erreiche ich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter? Die Ur-Frage der Internen Kommunikation bekommt in Corona-Zeiten eine neue Relevanz – und gute Lösungsansätze. 

Plötzlich ist einiges möglich – diese Erfahrung werden interne Kommunikatorinnen und Kommunikatoren in vielen Unternehmen gemacht haben: Wir könnten doch mal…. ja, gern, am besten sofort! Wir müssten dringend…. ja, machen Sie!  

Ideen, die „früher“ schon auf der Ebene der direkten Vorgesetzten kein Gehör mehr fanden, dringen heute ganz schnell in die Chefetage vor und werden oft ohne Umschweife freigegeben. Und auch bisher eher wenig kommunikative Geschäftsführerinnen und Geschäftsführer sind plötzlich bereit, sich in die Kommunikation einzuschalten, Gesicht zu zeigen und in den Dialog zu gehen. Die Erkenntnis hier: Führung bedeutet mehr als strategische Kompetenz. Es bedeutet, nah dran zu sein an den Mitarbeitenden und empathisch zu kommunizieren, zuzuhören und zu reagieren. 

Was alle Ideen und Formate in der Internen Kommunikation vereint, ist der Fokus auf das Menschliche. Maßnahmen werden (endlich) stärker an den Bedürfnissen der Mitarbeitenden ausgerichtet: Orientierung, Verbindung, Austausch oder Wirksamkeit geben die Richtung vor für Formate und Themen, die tatsächlich gebraucht werden. Daraus kann die IK ein ganz neues Selbstbewusstsein, ein neues Selbstverständnis und auch eine neue Art von Selbstwirksamkeit entwickeln. Macht doch alles großen Sinn, was wir hier tun. Dazu tragen auch Feedback-Kanäle bei, die heute eher genutzt werden, als noch im letzten Jahr. Wir suchen mehr Kontakt zu Kolleginnen und Kollegen, im Gegenzug bekommen wir mehr Rückmeldungen, der Ton ist vertrauter geworden  

Was für die kommenden Wochen und Monate wichtig ist? Dranbleiben! 

  1. Verstetigen Sie die neue Verbundenheit, indem Sie Ihre Kontakte pflegen, Fragen stellen und weiter mit Interesse verfolgen, wie sich die Stimmung im Haus entwickelt. Achten Sie auf ausreichend Anlässe, Feedback zu geben und stellen Sie die entsprechenden Kanäle zur Verfügung. 
  1. Räumen Sie Maßnahmen und Kanäle auf. Wie das geht, haben wir HIER für Sie aufgeschrieben. Nach dem grundsätzlichen Aufräumen können Sie dort noch verbessern und professionalisieren, wo in Corona-Zeiten auch mal die heiße Nadel reichen musste. 
  1. Für viele Unternehmen war und ist die Corona-Zeit auch der Beginn eines – vielleicht überfälligen – Kulturwandels. Die Interne Kommunikation sollte Treiberin dieses Wandels sein und in dieser Rolle auch die Geschäftsleitung darauf aufmerksam machen, wenn sie bei der Kommunikation in alte Muster zurückfällt. Darüber hinaus: Auch hier ist Verstetigung wichtig, denn neue Impulse sollten sich im Alltag manifestieren. 
  1. Lassen Sie es auch bei der Führungskräfte-Positionierung weiter menscheln. Viele Chefinnen und Chefs haben ihre private Seite zeigen dürfen und gemerkt, dass damit kein Autoritätsverlust einhergeht. Hier kann die Interne Kommunikation bestärken, unterstützen und die passenden Formate anbieten. 
  1. Bestätigen Sie die Rolle der IK mit anhaltender Kreativität und großem Engagement. Die aus der Anerkennung entstandene Motivation reicht hoffentlich für weitere Höhenflüge.

Wie immer gilt: Jede Krise hat auch etwas Gutes. Im Falle der Internen Kommunikation hat sie den enormen Wandel noch einmal beschleunigt. Auch die Prognosen der letzten Jahre, dass die IK das Menschliche immer mehr in den Mittelpunkt rücken wird, haben sich mit Warp-Geschwindigkeit bestätigt. Weiter so! 

 

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Mehr WIR wagen

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Die Interne Kommunikation der Zukunft muss Abteilungsgrenzen einreißen, um Ziele zu erreichen.

Der Veränderungsmarathon läuft und er macht auch vor der Internen Kommunikation nicht Halt. Ihre Kompetenzen werden mehr und mehr dezentralisiert, denn gute Kommunikatoren werden an vielen Stellen im Unternehmen gebraucht und entsprechend aus-, weitergebildet und eingesetzt. Der Wandel ist so pausenlos geworden, dass er eigene Abteilungen hervorbringt. Von hier aus wird den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern das Mindset für Strategie und Transformation vermittelt.

Aus „Ich“ wird ein spürbares „Wir“ hat Trendforscher Harry Gatterer schon 2019 prophezeit: „Heute ist der Megatrend Individualisierung noch sehr stark egoistisch geprägt. Künftig wird er aber vermehrt auf Tribes, Community und kollektive Intelligenz bauen. Individualisierung wandelt sich und drückt sich in einer neuen Wir-Kultur aus. Gemeinschaften, Kollaborationen und Kooperationen rücken statt des Ich in den Fokus.“

Wer das jetzt noch nicht gemerkt hat, läuft entweder außer Konkurrenz (z.B. Öffentlicher Dienst) oder schon weit abgeschlagen hinterher. Das Mittelfeld ist groß, die Tempomacher gerade noch in Sichtweite. Diese Unternehmen machen es vor, praktizieren agiles Arbeiten, wagen Neues, nutzen das kollektive Wissen, um auf Veränderungen schnell reagieren zu können. Dazu braucht es kollaborative Strukturen, die schon längst keine interne Moderation mehr brauchen.

Was bleibt für die Interne Kommunikation? Aus unserer Sicht sollte sie sich selbst hinterfragen, ihre Rolle neu finden und mit Leben füllen. Unsere Prognose sieht so aus:

Sie wird Impulsgeberin: Hackathon, Ideenwerkstatt oder Bootcamp – solche Formate beschleunigen den Austausch und die Kreativität. Sie brauchen Moderation, jemanden, der sie initiiert, bewirbt und die Ergebnisse an die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zurückspielt.

Sie wird Verknüpferin: Wir ist Trumpf – und die Interne Kommunikation weiß, wie man das „Wir“ belebt. Sie verknüpft individuelle Bedürfnisse mit kollektivem Bedarf und organisationalem Sinn.

Sie wird Kollaborateurin: Zukünftig muss die Interne Kommunikation mit denen zusammenarbeiten, die sie optimal ergänzen: Human Resources und die Verantwortlichen für den Change vereinen ganz wichtige Skills, um Organisationen wirksam zu verändern. Die IK kann ihre Kommunikationskompetenz dort einbringen. Denn: In Sachen Zielgruppen-Ansprache macht ihr (noch) keiner etwas vor.

Sie wird Unterstützerin: Der Trend zum Teilen ist nicht neu. Die Interne Kommunikation kann entweder zusehen, wenn externe Coaches die Führungskräfte weiterbringen, oder das Zepter selbst in die Hand nehmen. Es wird immer Teams und Teamchefs geben, die an die kommunikative Hand genommen werden wollen und müssen.

Kein Grund, bange zu werden oder gar um den Job zu fürchten. Denn auch solch eine Veränderung könnte eine Chance sein, die ergriffen werden will. Ein Blick über den Tellerrand hilft zu sehen, wo und mit wem man jenseits der bisherigen Kompetenzen wirksam werden kann. Spätestens jetzt ist es an der Zeit, sich strategisch zu vernetzen. Mit dem Marketing, mit HR, der Externen Kommunikation und mit allen, die an einem starken „Wir“ interessiert sind.

 

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Mutig gestalten, statt verwalten

Kann man unternehmerisches Denken verordnen? Sicher nicht, aber jedes Unternehmen kann einen Rahmen schaffen, in dem eigenverantwortliches Handeln im Sinne der Unternehmensziele gefördert wird. Wie die Interne Kommunikation das entsprechende Bild zeichnet, lesen Sie in unserer aktuellen Kolumne auf pressesprecher.com

 

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MPC-Podcast #13 – Mit Carolin Adler

Unsere Sprache ist eines der mächtigsten Tools in Veränderungsprozessen. Weil sie auf vielen bewussten und unbewussten Ebenen wirkt, ist es so wichtig, sie mit Bedacht einzusetzen und sorgsam zu wählen. Carolin Adler hat sich als Changemanagerin intensiv mit dem Thema befasst und Vieles in der Praxis erprobt. Im MPC-Podcast teilt sie ihre Erfahrungen mit uns – inklusive einer kurzen Fantasiereise als Selbsttest.

Diese Fragen beantwortet der Podcast:

  • Warum ist Sprache im Change so wichtig und wie setze ich sie als Führungskraft ein?
  • Welche No-Go-Wörter gibt es und welche wirken Wunder?
  • Welche Formate machen Sinn?
  • Wie funktioniert dialogische Führungskommunikation?

HIER geht’s zum Podcast.

Carolin Adler ist erfahrene Change- und Transformationsmanagerin in einem großen Technologieunternehmen und hat bereits diverse Veränderungsprozesse begleitet. Besonders hat sie sich dem Thema Sprache und deren Einfluss auf Erfolg und Misserfolg von Change-Prozessen gewidmet. Ihr Ziel ist es Fokussierung, Zielorientierung und positives Denken in komplexe, herausfordernde Strukturen und Projekte einzubringen. Dabei verfolgt sie ganzheitliche Ansätze, um Menschen zu motivieren, sich gemeinsam zu entwickeln.

MPC-Podcast #12 – mit Dr. Lisa Dühring

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Agile Strukturen stellen aktuell die Arbeitswelt vieler Unternehmen und Teams auf den Kopf. Die so ausgelösten strukturellen und kulturellen Veränderungen machen die Prozesse oft nicht unbedingt einfacher, sondern führen zu neuer Komplexität, die individuelle Lösungen braucht. Was die besonderen Herausforderungen agiler Kommunikationsabteilungen sind, weiß Dr. Lisa Dühring. Im Gespräch mit Andrea Montua räumt sie mit verbreiteten Annahmen auf und sagt, worauf es ankommt, wenn die Umstellung von Organisationssystemen gelingen soll.
Diese Fragen beantwortet der Podcast:

  • Warum ist Agilität mehr als eine veränderte Struktur?
  • Wo greifen Hierarchien und Führung, wenn alles agil wird?
  • Kann man in agilen Teams Karriere machen?
  • Braucht Agilität Incentives?
  • Was sind Erfolgsfaktoren und Stolpersteine?

Hier geht’s zum Interview.

Wenn Emotionen die Zusammenarbeit blockieren

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Ein Gespräch mit Vivian Dittmar, Autorin des Buches „Der emotionale Rucksack: Wie wir mit ungesunden Gefühlen umgehen“

Wer sich intensiver mit Veränderungsprozessen beschäftigt kennt die Emotionen, die uns als Beteiligte überrollen und Widerstände auslösen. An vielen Stellen sorgen sie dafür, dass Transformationsprozesse weder in der gewünschten Geschwindigkeit noch in die gewünschte Richtung verlaufen.

Vivian Dittmar ist Impulsgeberin für den kulturellen Wandel in Unternehmen und hat sich in den letzten Jahren viel mit Emotionen im Businessumfeld beschäftigt. Andrea Montua sprach mit ihr über die Bedeutung von Emotionen in Veränderungsprozessen und über den „Emotionalen Rucksack“.

AM: Vivian, Du begleitest Unternehmen im kulturellen Wandel und speziell in Bezug auf Emotionen. Aus dieser Erfahrung heraus: Welche Rolle spielen Emotionen, wenn Unternehmen sich in Transformationsprozesse begeben?

VD: Wenn Unternehmen sich auf den Weg machen in wirkliche Transformationsprozesse, spielen Emotionen automatisch eine Rolle – einfach weil sie immer dort auftauchen, wo uns etwas wirklich wichtig ist. Bei diesen Prozessen geht es ans Eingemachte, sonst findet keine Transformation statt.

AM: Du hast Dich in den letzten Jahren intensiv mit dem Thema „Emotionaler Rucksack“ beschäftigt und auch ein Buch darüber geschrieben. Was hat es damit auf sich?

VD: Das Buch ist entstanden, als ich schon einige Jahre mit dem Thema „Gefühle und Emotionen in Unternehmen“ unterwegs war und festgestellt habe, dass viele Menschen gar nicht wissen, was emotionale Altlasten sind, wie man sie erkennt und wie man damit umgehen kann. Da habe ich beschlossen, dieses Buch zu schreiben. Denn diese Unfähigkeit im Umgang mit unseren emotionalen Altlasten ist das größte Hindernis für ein gelungenes Miteinander in allen Lebensbereichen.

AM: Wie merken wir, dass unser Emotionaler Rucksack aktiviert wird?

VD: Es gibt ganz unterschiedliche Symptome. Am leichtesten zu erkennen sind die Aktivierungen, die sehr plötzlich und heftig auftreten, wenn unser gesamter emotionaler Haushalt von jetzt auf gleich entgleist. Das äußert sich durch heftige Emotionen wie Wut, Angst oder Trauer, oft ist es aber auch ein Emotionswust, eine Mischung aus all dem. Weniger leicht zu erkennen sind Aktivierungen, die sich langsam aufbauen und genauso oft wird gar nicht oder zu spät erkannt, dass eine totale Abwesenheit von Emotionen ein Zeichen von emotionaler Aktivierung ist. Wir haben immer noch dieses völlig überholte Bild, dass wir auf die schlechten Gefühle verzichten können und wenn die fehlen, ist alles super. Menschen, die sehr rational unterwegs sind, gerade im professionellen Bereich, sind ohnehin der Meinung, dass sie ohne Gefühle am besten funktionieren. Wissenschaftlich betrachtet ist das längst widerlegt. Ein Mensch, der nur rational funktioniert, funktioniert nicht. Das Bild ist trotzdem noch sehr mächtig, und sorgt dafür, dass die Problematik oft nicht erkannt wird. Daraus resultiert, dass der Austausch zwischen Menschen in Besprechungen, in Konflikten oder anderen Situationen der Zusammenarbeit total blockiert. Man tauscht sich nur sehr oberflächlich auf einer vermeintlichen Sachebene aus. So gelingt es nicht, eine wirkliche Resonanzfähigkeit herzustellen und daraus folgt die Blockade.

AM: Nehmen wir eine große Veränderungssituation in einem Unternehmen: Sorgen, Ängste, Wut – in den Teams ist richtig was los. Selbst wenn es gelingt, den Emotionalen Rucksack bewusst zu machen – welcher Mitarbeiter setzt sich im beruflichen Kontext denn bereitwilig damit auseinander? Was rätst Du den Unternehmen?

VD: Die Zahl der Menschen wächst, die dazu bereit sind oder es sich sogar wünschen. Es ist sicher noch eine Minderheit, aber sie nimmt stetig zu. Wir sind also gefordert, hier einen neuen Umgang zu finden. Bisher wurde es so gehandhabt, dass die hierarchisch höher stehende Person ihre Altlasten einfach nach unten weitergibt, indem sie mal ordentlich Dampf ablässt. Gerade die jüngere Generation ist damit nicht mehr einverstanden. Meine Strategie ist zweigleisig: Erst einmal aufklären, indem man das Thema anspricht und damit aus der Tabuzone rausholt. Damit entsteht die Erlaubnis, darüber überhaupt zu reden und damit umzugehen. Der zweite Teil baut darauf und schafft Räume, in denen Emotionen und Gefühle benannt und gezeigt werden dürfen.

AM: Dein Rat lautet, das Thema Emotionen frühzeitig im Veränderungsprozess auf die Agenda zu setzen?

VD: Ja, auf jeden Fall. Oft haben Menschen Angst, dass die Dinge entgleisen, wenn es zu emotional wird. Dann macht es durchaus Sinn, sich eine externe Prozessbegleitung dazuzunehmen, die keine Angst vor starken Emotionen hat. Es ist ohnehin sinnvoll, dass eine neutrale Person im Raum ist, die Prozessbegleitungskompetenz hat. Natürlich kann es dann auch mal heftig werden, aber wenn eine emotionale Ebene mal berührt wird, schweißt es ein Team enorm zusammen.

AM: Welche Schritte empfiehlst Du einer Führungskraft, wenn es in einem Team so richtig brodelt? Ansprechen? Unterstützung holen? Erstmal Dein oder ein anderes Buch lesen?

VD: Das hängt tatsächlich sehr stark von der emotionalen Kompetenz der Führungskraft ab. Wer einen guten Zugang und keine Angst vor den eigenen Emotionen und Gefühlen hat, kann meist auch damit ins Team gehen und vor allem von den eigenen Gefühlen und Emotionen, von der eigenen Verletzlichkeit sprechen – das ist der Schlüssel. Und genau das ist ja auch der Wandel, der sich gerade in unserem Führungsverständnis vollzieht. In einem alten Führungsverständnis ist es ja undenkbar, dass eine Führungskraft sich eine solche Blöße gibt, sich verletzlich zeigt. Das neue Führungsbild, in dem es wirklich um Beziehungen, Führung auf Augenhöhe, um ein ganz neues Miteinander geht, da braucht es Beziehungskompetenz. Mit ihr steigt das Ansehen eines Vorgesetzten. Wer dazu bereit ist, aber nicht den Mut hat, der Icebreaker zu sein, der braucht vielleicht externe Unterstützung. Jemand, der alle einladen kann, sich auf dieser Ebene auszutauschen.

AM: Muss ich erstmal an meinem eigenen Emotionalen Rucksack arbeiten, bevor ich mich in Team-Prozesse begebe, oder geschieht die Arbeit ganz von alleine, wenn ich den Prozess starte?

VD: Wichtige Frage. Die Antwort ist, dass ich nur an meinem eigenen Rucksack arbeiten kann. Zugleich gibt es etwas, das sich die emotionale Kompetenz eines Teams oder einer Organisation nennt. Dann habe ich eine Kultur, in der man in einer Besprechung sagt, dass es emotional dicht oder schwierig ist. Man geht bewusst auseinander und entlädt die Emotion erstmal in Zweierteams oder einer ähnlichen Konstellation. Jeder macht also seine Hausaufgaben, arbeitet an seinem Rucksack und danach kann weitergearbeitet werden. Manche machen das auch präventiv, bevor sie beginnen. Es gibt aber auch Kulturen, in denen das undenkbar ist. Für eine Kulturveränderung braucht es jedoch eine neue Qualität des Miteinanders, da braucht es diese Beziehungsebene, auf der Verletzlichkeit und Transparenz kultiviert werden.

AM: Du hast gerade das Thema Entladungen angesprochen. Was verstehst Du darunter, wie zeigen die sich und wie geht man damit um, wenn man bei jemand anderem damit konfrontiert wird?

VD: Entladung war für mich der Schlüssel, um die Beziehung zu meinem Rucksack zu heilen. Wir alle kennen Situationen, in denen der Rucksack aktiviert wird und damit ein großer Drang entsteht, mit dieser Energie irgendwo hinzugehen. Die Emotionen wollen sich bewegen. Was dann leider oft passiert ist, dass wir unbewusst entladen, indem wir den Nächstbesten anschreien: Den Mitarbeiter, den Azubi, die Kinder oder unseren Partner. Das ist destruktiv und Beziehungen leiden extrem darunter. Ich bezeichne das als mangelnde emotionale Hygiene, die heute oft verbreitet ist. Gleichzeitig ist es auch nicht gesund, die Emotionen einfach in den Rucksack zurückzustopfen. Ich führe Süchte, die wir in der Gesellschaft finden, genau darauf zurück. Die bewusste Entladung als Praxis war für mich der Schlüssel, diesen Konflikt zu lösen. Einen Raum zu schaffen, in dem Entladung passieren darf, ohne dass Beziehungen darunter leiden. Die Praxis der bewussten Entladung beruht auf der einfachen Erkenntnis, dass wir Emotionen meist nicht bewusst fühlen können, weil sie uns überfordern. Deswegen brauchen wir die Anteilnahme eines anderen Menschen, um sie fühlen zu können. Diese Anteilnahme erweitert vorübergehend unsere emotionale Kapazität, so dass wir etwas fühlen können, was vorher nicht möglich war. Durch dieses bewusste Fühlen werden alte Emotionen verarbeitet, es wird tatsächlich eine Heilung vollzogen. Diese Strategie unterscheidet sich ganz wesentlich von anderen, in denen man sich runterregelt – durch Sport oder Schokolade oder was auch immer es braucht, um runterzukommen.

AM: Du empfiehlst in Deinem Buch, sich einen „Rucksack-Partner“ zu suchen, mit dem man regelmäßig dieses Entladen praktiziert. Wie würde das aussehen – sowohl beruflich, als auch privat?

VD: Das Wichtigste ist, dass es eine Person ist, bei der ich mich wohlfühle, bei der ein Grundvertrauen da ist. Das kann die beste Freundin sein, der Lebensgefährte, die Lieblingskollegin, aber auch jemand, mit dem ich in keinerlei Beziehung stehe. Das kann erstaunlich gut funktionieren. Es braucht jemanden, der das gleiche Interesse hat und dies auch regelmäßig praktizieren möchte. In Unternehmen hängt es tatsächlich von der Firmenkultur ab. Es gibt Firmen, da ist das Vertrauensniveau so niedrig, dass Menschen sich das nicht mal mit einem Kollegen oder einer Kollegin vorstellen können. Aber auch solche, wo es mit jedem oder jeder im Team möglich scheint. Da muss man ehrlich hinschauen, wer passt.

AM: Ich würde mich dann mit dem Kollegen darüber austauschen, was mich emotional aktiviert hat und der- oder diejenige würde genau hinschauen? Was war das, wo kommt das her, an was erinnert es mich?

VD: Das wäre sehr reflektierend, aber darum geht es gerade nicht, sondern ums Fühlen. Das bedeutet, dass die zuhörende Person unter Auflage der besonderen Vertraulichkeit eben nur zuhört. Die Person spricht mit niemand anderem darüber und spricht auch Dich nicht mehr darauf an. Das macht diesen Raum so besonders sicher. Und die Sicherheit ist deshalb so wichtig, weil ein Wechsel von der kognitiven auf die emotionale Ebene vollzogen werden muss. Das ist ein ganz anderer Teil unserer Persönlichkeit, unseres Bewusstseins und unseres Gehirns. Diesen Teil sprechen zu lassen, erfordert anfangs etwas Übung. Es kann eine Hilfestellung sein, sich vorzustellen, dass man dieser Emotion seine Stimme leiht. Das muss keinen Sinn ergeben, man musst damit nicht einverstanden sein, denn oft sind es ganz unreife Dinge, die da kommen, völlig unreflektiert oder kindlich. Die Emotionen sind genau da stehen gebleiben, wo sie nicht verarbeitet wurden.

AM: Was macht der Rucksack-Partner dann damit?

VD: Nichts – und genau das ist für die meisten Leute total ungewohnt. Der Partner gibt kein Feedback, lediglich Raum und damit Anteilnahme. Das ist am Anfang sehr irritierend, weil wir es gewohnt sind, auf Reaktion zu kommunizieren. Wir verstehen nicht, was das bringen soll, wenn der andere nichts sagt. Nach einer Weile wird uns klar, dass dies die viel größere Konfrontation ist, der größere Spiegel, wenn ich mir selbst zuhöre und auch alle Antworten gebe.

AM: Macht es denn Sinn, sich einen Rucksack-Partner für die alten Emotionen der Vergangenheit und einen für die aktuellen Emotionen zu suchen?

VD: Wenn ich heute aktiviert werde, dann basiert das immer auf der Vergangenheit. Wenn ich mich wirklich auf die emotionale Ebene einlasse und meiner inneren Zündschnur folge, dann tauche ich durch verschiedene Schichten meiner Emotionspäckchen, zum Beispiel von Wut in Angst in Trauer und zurück. Ich erlebe verschiedene Zeitebenen, Bilder von Situationen tauchen auf, in denen ich das schon mal gefühlt habe. Das können ganz frühkindliche Sachen, aber auch jüngere Erlebnisse sein. Ich kann also nicht zwischen meinem jetzigen und einem früheren Rucksack unterscheiden. Was ich ganz dringend empfehle, ist eine emotionale Hygiene also eine regelmäßige bewusste Entladung. Das Leben bietet ausreichend Aktivierungsmomente, um die ich mich kümmern kann, indem ich mir den nötigen Raum nehme. Wenn ich mir den Raum der bewussten Entladung nehme, dann zeigen sich die Dinge, die jetzt dran sind. Natürlich kann man auch mal eine Therapie machen, um Dinge genauer anzuschauen, aber man sollte nicht zum Selbstzweck im Rucksack rumstochern.

AM: Du hattest vorhin von dem Unterscheid zwischen Gefühlen und Emotionen gesprochen – kannst Du darauf nochmal eingehen?

VD: Für mich ist diese Unterscheidung wichtig und auch der Hinweis, dass diese Phänomene von Menschen unterschiedlich benannt werden. Wenn ich von Emotionen spreche, dann meine ich emotionale Altlasten, also nicht gefühlte Gefühle aus der Vergangenheit. Gefühle, die zum damaligen Zeitpunkt überwältigend für uns waren und deshalb nicht gefühlt werden konnten. Also haben wir sie zur späteren Verarbeitung in den emotionalen Rucksack gesteckt. Der Haken an dieser Strategie ist, dass die spätere Verarbeitung oft nicht passiert und wir unsere emotionale Kreditkarte immer wieder belasten, bis wir überschuldet sind. Gefühle entstehen im Gegensatz dazu direkt aus dem Moment heraus. Sie entstehen im Jetzt und beziehen sich auf das Jetzt. Sie entstehen durch die Interpretation einer Situation im Jetzt. Ein Beispiel: Ich komme zur Arbeit, eine wichtige Deadline steht an und die Hälfte des Teams ist nicht da. Ich interpretiere das möglicherweise falsch und dadurch erzeuge ich Wut. Diese Wut-Kraft, idealerweise ist sie eine Kraft, gibt mir Energie, um aktiv zu werden. Möglicherweise rufe ich alle an, um zu erfahren, was los ist, ich suche Ersatz für die Kollegen oder versuche mit Hochdruck alles selbst fertigzustellen. Was auch immer es ist, aber das ist die Funktion von Wut. Eine gesunde Wut-Kraft, ist danach aufgebraucht. Es hängt nichts mehr nach, ich trage keinen Groll mehr mit mir rum, ich bin nicht mehr aktiviert. Ein Gefühl in der Reinform, ist etwas sehr praktisches.

AM: Jetzt höre ich die Führungskräfte, die sagen: Die Kollegen sollen sich mit ihrer Arbeit beschäftigen. Wir haben keine Zeit, diese ganzen Emotionsfächer aufzumachen. Was sagst Du denen?

VD: Wir können es uns nicht mehr leisten, uns nicht darum zu kümmern, weil das viel mehr Zeit kostet. Wenn ich keine Zeit habe, meine Zähne zu putzen, sitze ich irgendwann um so länger beim Zahnarzt. Es gibt Dinge, in die man ausreichend Pflege investieren sollte. Beziehungs- und Kulturpflege gehören dazu. Aus meiner Sicht gibt es ein hohes Bewusstsein darüber, wie ineffizient Besprechungen oder Entscheidungsprozesse aufgrund emotionaler Inkompetenz sind. Viele Führungskräfte sind hochgradig frustriert über das Ausmaß, in dem diese Inkompetenz die Zusammenarbeit immer wieder blockiert.

AM: Ich danke Dir für diesen emotionalen Einblick und auch den Appell, Emotionen und Gefühle auf die Tagesordnungen zu setzen.

Tiefer einsteigen? „Der emotionale Rucksack: Wie wir mit ungesunden Gefühlen umgehen“ von Vivian Dittmar

 

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Echolot-Kolumne – Bange machen gilt nicht – so begegnen Sie Widerständen in Veränderungen

Wir erleben oft, dass Angst bei Veränderungen unterschätzt wird, dabei ist sie ihr mächtigster Gegner. Dementsprechend intensiv sollten alle Beteiligten sich damit auseinandersetzen um zu verstehen, woher sie kommt. Wir haben uns der Angst gestellt – in unserer aktuellen Kolumne auf pressesprecher.com.

 

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MPC-Podcast #10 – Mit Thomas Voigt

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Die Otto Group gilt als Benchmark in Sachen Kulturwandel im deutschsprachigen Raum. Kein Unternehmen dieser Größenordnung hat bisher einen solch tiefgreifenden internationalen Veränderungsprozess erfolgreich vollziehen können. Seit dreieinhalb Jahren beschäftigt das Thema bereits den Konzern und alle seine Tochterunternehmen. Thomas Voigt, Direktor Wirtschaftspolitik und Kommunikation, erzählt im Gespräch mit Andrea Montua von einem Prozess, bei dem Veränderung im Dialog gelebt wird.

Diese Fragen beantwortet der Podcast:

  • Wie startet man einen Transformationsprozess?
  • Warum führt erfolgreicher Kulturwandel zu mehr Wertschöpfung?
  • Warum ist Haltung auf dem Weg von so großer Bedeutung?
  • Wie sollte die Rolle von Kommunikatoren in Zukunft aussehen?

Hier geht’s zum Interview.

MPC-Podcast und Vodcast #9 – mit Sven Wiesner

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Wasch mich, aber mach mich nicht nass – so gehen viele Unternehmen noch mit der Integration von technischen Innovationen um. Aber eine VR-Brille im Konfi macht eben noch keinen Innovationsraum. Sven Wiesner erzählt Andrea Montua im MPC-Podcast, wie er die Chancen und Risiken von KI und Co. einschätzt, wie er Unternehmen in neue Welten navigiert und warum schnelle Prototypen ein guter Weg zum neuen Produkt sind.Diese Fragen beantwortet der Podcast:

  • KI, VR und AR – welche Trends bieten Chancen in der Kommunikation?
  • Wie können Unternehmen sich zukünftigen Technologien nähern?
  • Lohnt es sich ein bisschen rumzuprobieren, statt voll einzusteigen?
  • Und was ist mit meinen Daten?

HIER geht’s zum Interview.