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MPC-Podcast und Vodcast #6 – mit Laura Wirtz

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Viele reden drüber, die ING hat es getan: Das Unternehmensteckt mitten in der Transformation hin zu agilem Arbeiten in allen Bereichen. Laura Wirtz, Strategie-Chefin der Bank mit Sitz in Frankfurt, kennt die Höhen und Tiefen, aber vor allem auch die großen Gewinne des Prozesses. Im Gespräch mit Andrea Montua berichtet sie aus dem Alltag und gibt ehrliche Einblicke in den Veränderungsprozess für Mitarbeitende und Führungskräfte.

Der MPC-Podcast und Vodcast: Auf einen Tee mit Andrea Montua #6

 

P.S.: Wir freuen uns! Ab heute erscheint der MPC-Podcast in Kooperation mit dem Magazin pressesprecher.

 

Neue Wege wagen

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New Work in großen Unternehmen? Utopisch! Wir sagen: Stimmt nicht! Auch in großen Firmen und Konzernen gibt es Lichtblicke – und Menschen, die sich täglich dafür einsetzen. Im Interview mit MPC erzählen David Mett (Projektleiter Volkswagen Group Services GmbH*) und Sebastian Philipp (Teamleiter Business Innovation Studio, BIS) von ihren Erfahrungen im Umgang mit unterschiedlichen Arbeitsweisen, von Erfolgen und Hürden – und wie es im Kleinen doch gelingen kann, starre Strukturen aufzuweichen.

 

MPC: David, du hast das BIS mal liebevoll als Kommune bezeichnet. Warum?

DM: (lacht) Das hat verschiedene Gründe. Besonders aufgrund der Art und Weise, wie das Team miteinander umgeht. Mein Verständnis einer Kommune ist eine eingeschworene Gemeinschaft, die sich wenig Gedanken darüber macht, was andere über sie denken, sondern die sich zum Ziel gesetzt hat, mit sich selbst zufrieden zu sein, sich selbst zu verwirklichen – völlig unabhängig von irgendwelchen gesellschaftlich auferlegten Zwängen. Man ist „aligned“, aber dennoch hat jeder die nötige Freiheit, eigenständige Entscheidungen zu treffen. Entscheidungen trifft derjenige, der die meiste Kompetenz hat bzw. die Gemeinschaft. In vielen anderen Bereichen gibt es oft ein klassisches Hierarchiedenken. Das „Warum wir etwas tun?“ rückt dabei in den Hintergrund und das „Wie“ leider viel zu oft in den Vordergrund. Für mich war das ein Kontrastprogramm.

MPC: Sebastian, was macht das Business Innovation Studio aus deiner Sicht im Volkswagen Konzern so besonders?

SP: Wir stehen mit Leidenschaft und unserem persönlichen Engagement für eine Sache. Das ist, glaube ich, für so einen Großkonzern besonders. Wenn du im kreativen Umfeld arbeitest, hast du Leute, die ihren Beruf stärker mit Passion ausüben als in rein analytischen, managementorientierten Berufsfeldern. Diese geforderte Kreativität, die Flexibilität sowie eine fokussierte Kunden- und Serviceorientierung können wir in einem kleinen Team von Spezialisten oftmals besser im Tagtäglichen gestalten als es eine große hierarchiegesteuerte Organisation kann.

MPC: Das Business Innovation Studio steht auch für neues Arbeiten. Würdest du eure Arbeitsweise als agil bezeichnen?

SP: Jein. Wenn man davon spricht, dass Agilität nur Scrum bedeutet, dann nein. Wenn es darum geht, das „Agile Manifest“ im Herzen zu tragen, dann ja.

MPC: Was bedeutet es für dich, das „Agile Manifest“ im Herzen zu tragen?

SP: Das bedeutet, dass das Individuum und Interaktionen wichtiger sind als Prozesse und Werkzeuge. Dass jeder Beteiligte die Freiheit im Denken hat. Dass du auf Veränderungen jederzeit Rücksicht nehmen und reagieren kannst und nicht sklavisch einen Plan befolgst, der am Anfang mal ausgearbeitet wurde, der sich aber im Laufe des Projekts als unpraktisch und schlecht durchdacht herausstellt.

MPC: Ist dann im Umkehrschluss alles, was nicht dieser Herangehensweise entspricht, damit obsolet?

SP: Nein, überhaupt nicht. Es gibt andere Organisationsstrukturen, die sind auch total richtig und wichtig. Gerade in so einem Großkonzern ist es wichtig, dass du auch klare Strukturen und Prozesse – beispielsweise im Finanz- oder Rechtsbereich – hast, sonst könntest du diesen Riesenapparat nur sehr schwer organisieren. Es geht einfach darum, dass im Sinne des „Ziels“, also des Auftrages, ein Höchstmaß an Freiheiten akzeptiert wird, um ein bestmögliches Ergebnis zu erzielen.

DM: Wir kommen aus einer Welt, das ist der Größe des Unternehmens geschuldet, in dem Prozesse über dem Individuum stehen. Der notwendige Wandel im Unternehmen findet aber gerade statt. Allerdings merken wir auch, dass das mit sehr viel Reibung verbunden ist und dass es in so großen Unternehmen vollkommen in Ordnung ist, dass gewisse Themen nach sehr klaren Prozessen ablaufen. Man muss mit Augenmaß unterwegs sein und Fingerspitzengefühl haben, in welchen Situationen was sinnvoll ist. In vielen Bereichen haben wir erkannt, dass der ursprüngliche Plan nicht mehr stur befolgt werden sollte, sondern den sich schnell verändernden Anforderungen und Situationen angepasst werden muss. Das heißt nicht, dass alles Bewährte schlecht ist. Es heißt nur, die Herausforderungen und Themenstellungen jederzeit neu bewerten zu müssen, um dann Strukturen und Prozesse optimal anzupassen bzw. neu zu gestalten. Die größte Herausforderung sehe ich dabei in der Frage, was jeder einzelne Mitarbeiter, Leiter, Manager bis hin zum Geschäftsführer bereit ist aufzugeben, um das klassische „Das haben wir schon immer so gemacht“ zu durchbrechen.

MPC: David: Du hast noch ein Team in Braunschweig für Projektlösungen. Hast du dort Teile der Arbeitsweise des BIS adaptiert?

DM: Ja, ich habe wahnsinnig viel aus dem BIS gelernt und in das andere Team mitgenommen. Es geht schon los mit dem Aufbau eines Jour Fixes, wo es zu Beginn erst einmal darum geht, wo jeder gerade gedanklich steht, was ihn beschäftigt. Das kannte ich vorher so nicht. Und ich fokussiere mich nicht mehr, wie es in der klassischen Denke üblich ist, nur auf mein abgegrenztes Aufgabengebiet, sondern versuche, die Zusammenhänge im Blick zu behalten. Bestes Beispiel: Ich kann ein Lenkrad oder eine Tür bauen, es als abgeschlossenes Teil sehen, oder das Gesamtprodukt Auto betrachten. Mittlerweile versuche ich stets zu hinterfragen und auch die Teammitglieder zu sensibilisieren, warum wir einzelne Aufgaben erledigen, wo es Schnittstellen gibt.

MPC: Gab es in der Vergangenheit Situationen, in denen ihr aufgrund unterschiedlicher Arbeitsweisen an eure Grenzen gestoßen seid?

DM: Ja, zum Beispiel beim Thema Zeit. Auf der einen Seite ist da der Wunsch und das Bedürfnis des Kunden, Dinge kurzfristig zu lösen. Auf der anderen Seite steht ein Dienstleister mit klaren Strukturen, die flexiblen Lösungen im Weg stehen können. Das ist nicht nur für das Team, sondern auch für mich als Projektverantwortlichen frustrierend. Diese Diskussionen halten uns von den Themen ab, die uns eigentlich wichtig sind: Kundenprojekte, Wachstum, Teamstrukturen auszubauen und zu schmieden. Letztendlich dem Konzern zu helfen, die anstehenden Herausforderungen der neuen Automobilität, die das Tempo der Veränderungen unserer Zeit mit sich bringen, zu gestalten.

SP: Hier treffen zwei unterschiedliche Dienstleistungsarten aufeinander. Während wir im Team sehr viel kurzfristiger nach dem klassischen, externen Agenturprinzip arbeiten, wird bei der Volkswagen Group Services als Gesamtdienstleister in ganz anderen Zeithorizonten gedacht. Da merkt man schon, dass alle abhängigen Prozesse – seien es Beschaffungs- oder Personalprozesse – auf diese großen Zeithorizonte ausgelegt sind. Die mögen in einem anderen Kontext ganz wunderbar funktionieren, aber in unserem relativ schnellen, dynamischen Umfeld stellen sie sich oft als unpraktisch heraus. Das ist für mich persönlich, aber auch in unserer Zusammenarbeit der größte Diskussionspunkt.

MPC: Wie habt ihr diese Hürden überwunden?

SP: Wir haben angefangen, diese Prozesse zu identifizieren und uns überlegt, welche Anpassungen notwendig sind. Wie viel Freiheit braucht es in gewissen Prozessen? Welche Prozesse müssen komplett neu geschaffen werden? Man kann nur neue Wege wagen, indem man immer auch in einen gewissen Widerstand geht und Gewohntes hinterfragt. Das ist natürlich ein Balanceakt: Unser Mindset ist auch unser USP. Aber in der Perspektive nach innen sorgt das auch für Kritik. Wir haben uns zusammengesetzt und die Schnittstellen identifiziert, wo es oft zu Krach kommt. Wir sind in die Kommunikation mit unseren Stakeholdern der Volkswagen Group Services gegangen und haben daran gearbeitet, wie man diese Schnittstellen und Prozesse anpassen kann, sodass sie zum einen weiterhin regelkonform sind, aber auch eine neue Form des Arbeitens im gesamten Unternehmen ermöglichen. Wir haben besprochen, wie wir Rekrutierungsprozesse so anpassen können, dass sie schneller und flexibler funktionieren. Wir haben geschaut, wie sich das Ganze mit den Tarifsystemen, der Corporate Identity, der Abteilung für Kommunikation, der IT und den Beschaffungsprozessen vereinbaren lässt. Und wir haben dabei gelernt, dass unsere Kollegen grundsätzlich hilfsbereit und lösungsorientiert sind und auch gern Neues wagen wollen.

MPC: Gibt es denn schon Teilerfolge?

DM: Klar, das ist aber ein fortwährender Prozess. Wir haben mehr Flexibilität in den Rekrutierungsprozessen erreicht – das Wachstum von zwei auf 14 Mitarbeiter innerhalb von zwei Jahren spricht für sich. Wir haben es auch geschafft, Verständnis für diese Abteilung zu schaffen und für das, was wir brauchen. Was uns aber noch nicht richtig gelungen ist, sind nachhaltige Veränderungen. Wir müssen den Geschäftsführern und Bereichsleitern – am Ende jedem, der uns auf dem Weg begleiten soll – aufzeigen, dass innovative Dienstleistungen ohne neues Arbeiten nicht gedacht, entwickelt und umgesetzt werden können. Es müssen konsequent und dauerhaft die nötigen Freiräume geschaffen werden, die wir zur Verwirklichung brauchen.

MPC: Welche konkreten Tipps könnt ihr anderen Teams mit auf den Weg geben, die in einem größeren Unternehmen flexibler und schneller arbeiten, sich hin zu einer agilen Arbeitsweise entwickeln möchten?

DM: Was für mich absolut im Vordergrund steht und was ich gelernt habe: Die richtigen Fürsprecher und Multiplikatoren zu suchen. Es ist unheimlich wichtig, in der Geschäftsführung, in der Bereichsleitung, beim Personal, bei der Beschaffung und sämtlichen anderen Querschnittsfunktionen einen oder mehrere Kollegen zu finden, die sich für das Thema begeistern. Diesen Verbündeten – im Geiste – gilt es dann mit allen möglichen Informationen und Vorteilen zu betanken, ihm Benefits aufzuzeigen, sodass er in seinem jeweiligen Wirkungskreis der Multiplikator sein kann; der Treiber, um die Freiräume zu schaffen, die es braucht. Dabei ist es wichtg, deren Agenda, Ziele und persönliche Motivation zu kennen und diese mit den Benefits deines eigenen Vorhabens zu verknüpfen.

SP: Für dich als Team musst du ganz klar sein, wo du hin möchtest. Du brauchst einen sehr klaren Fokus, wer du bist und wer du nicht bist. Nur daraus kannst du die Kraft ziehen, dich auf das ganze Thema Veränderung einzulassen. Du solltest dabei nach vorne blicken und dich nicht zu sehr am bestehenden System abkämpfen. Und ganz wichtig ist, dass du die Stakeholder Teil deiner Arbeit werden lässt. Nur durch die eigene Erfahrung kannst du Verständnis für Veränderungen erwecken. Kurz gesagt: Das Management einzuladen, deine Passion mitzuspüren und ein Feuer in ihnen zu entfachen.

Das Interview führte Susanne Stöcker

 

Sebastian Philipp (links) und David Mett

Foto: Susanne Stöcker

 

* Die Volkswagen Group Services (www.volkswagen-groupservices.com) bietet in einem breiten Spektrum Automotive-Dienstleistungen für den Volkswagen Konzern an. Seit 2014 kreiert das Business Innovation Studio (BIS) als eine konzerninterne Agentur Service- und Businessdesign für verschiedene Kunden und Auftraggeber aus dem gesamten Volkswagen Konzern.

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Echolot-Kolumne: New Work – Erst der Sinn, dann das Vergnügen

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Sinnvolles Modell für mehr Wertschöpfung oder nur das neue Buzzword der Arbeitswelt? New Work kann viel, aber auf das „Warum?“, kann es nicht antworten.

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Heute mal total verrückt

Manchmal steckt man in den Strukturen und den Routinen einfach so gemütlich fest. Und findet das gar nicht so tragisch. Die Dinge laufen mal besser, mal schlechter, aber sie laufen. Das Tagesgeschäft hat einen angenehm im Griff. Die kleinen Zwischenräume, die Zeit zum Durchatmen lassen, werden eben dafür genutzt. Solch eine Routine kann auch zu Lethargie führen, frische Ideen halten da keinen Einzug. Bekannt?

Überraschung: Veränderung kann von innen kommen und im Team stattfinden. Dabei darf die Interne Kommunikation durchaus mal als Impulsgeber fungieren. Aktuell geistern Begriffe wie Hackathon, Design Thinking und Working Out Loud durch die Medienkanäle. Neumodischer Kram, denken Sie? Ja und Nein. Der Ansatz des Design Thinking zum Beispiel ist nicht neu, sondern stammt aus dem Industriedesign. Ziel ist es, neue Ideen zu generieren und Lösungen im interdisziplinären Team zu finden. Bei einem Hackathon werden innerhalb kürzester Zeit Produkte oder Dienstleistungen entwickelt. Verschiedene Teams arbeiten an einer Aufgabenstellung und die Ergebnisse sind verblüffend unterschiedlich. Working Out Loud ist eine Methode, mit der man lernt, sein Wissen zu teilen – und zwar so, dass andere es verstehen und davon profitieren.

Das bringt die wilde Fahrt

Natürlich müssen Sie nicht auf jeden Zug springen, aber auch nicht jeden vorbeiziehen lassen. Auch wenn Sie nicht in einem agilen Unternehmen arbeiten, sind kreative Prozesse, Ideen und Ergebnisse ein Motivationsbooster und sie können nur davon profitieren. Fünf Dinge, die ganz sicher passieren:

  1. Mehr Vertrauen zwischen Führung und Mitarbeiter: Die Rollen verschieben sich in diesen Formaten, weil Führungskräfte die Rolle des Mitarbeiters einnehmen und umgekehrt. Das reißt Mauern ein und schafft Vertrauen in die jeweiligen Kompetenzen.
  2. Eigeninitiative im Team: Auch mal etwas dürfen, ohne die etablierten Wege zu gehen. Mitarbeiter werden mutiger, trauen sich auch mal was. Das motiviert und stärkt das Selbstvertrauen.
  3. Fähigkeiten und Wissen werden geteilt: Wer teilt, der bekommt. Soziale Großzügigkeit in Bezug auf Know-how und persönliche Kompetenzen sorgt dafür, dass man sich weiterentwickelt. Und wer mit gutem Beispiel vorangeht, bekommt Gleiches zurück.
  4. Die Bereitschaft zur Veränderung wächst: Wer Agilität auf dem Spielfeld ausprobiert, übt sich in Veränderung. Die Schranken im Kopf gehen hoch und öffnen sich für Neues. Der Veränderungsmuskel wird trainiert.
  5. Verständnis für die Aufgaben anderer Disziplinen: Interdisziplinäre Teams erweitern den internen Horizont. Sie bekommen Einblicke in die Aufgaben und Methoden von Kollegen, die Sie sonst vielleicht nie treffen würden. Aus dem Verständnis wird gegenseitige Akzeptanz.

Vielleicht entdecken Sie, dass nur einen Stock höher Talente schlummern, die Sie in Ihrer Arbeit bereichern können. Oder Sie können selbst Kollegen mit einer Idee weiterbringen. Durch kreative Formate entsteht ein stabiles, persönliches Netzwerk, das gerade für die Interne Kommunikation ein Segen sein kann. Die Akzeptanz auf beiden Seiten wächst und damit auch die Interaktion. Um profitieren zu können, sollten Sie sich an die Spitze der Bewegung setzen. Das Gute an der Internen Kommunikation ist eben das Interne – sie kann auch mal etwas wagen, wenn sie – im Schulterschluss mit dem Management – das Unternehmen als geschützten Raum begreift, in dem große Siege gewünscht und ebenso große Niederlagen erlaubt sind.

Noch mehr Agilität wartet auf Sie in unseren früheren Beiträgen zum Thema: Agilität in der IK und Agilität kontert Chaos.

Copyright Aufmacherbild: Marion Michele/Unsplash

Sind wir nicht alle ein bisschen agil?

Wir! Brauchen! Mehr! Agilität! Kommt Ihnen bekannt vor? Kein Wunder: Derzeit werden agile Methoden landauf und landab als DER Heilsbringer für jeden Workflow beschrien. Aber mal ehrlich: Sind Tools wie Kanban und Scrum nicht schlicht Arbeitsmethoden der IT-Abteilung? Und was soll die Interne Kommunikation damit am Hut haben?

Agil, weshalb, warum: ein Crashkurs

Agility ist primär eine Frage der Unternehmenskultur und deren Werte. Sie erfordert einen angepassten – teils hierarchischen, teils gleichberechtigten – Umgang mit Führung, Autoritäten, Entscheidungsprozessen sowie Leistungsmessung mit Partnern und Kunden. Man nehme also ein entsprechendes Führungsverständnis, kombiniere es mit einer passenden Organisationsform und akzeptiere ein hohes Maß an Komplexität. Das Resultat: Durch umfassende Kollaboration wird das eigene Unternehmen schneller, flexibler, proaktiver, antizipativer – kurz: überlebensfähig in einer immer schnelleren, digitalisierten Welt. Agil eben. Klar soweit?

DIY (Do it yourself)!

Um selbst agil zu werden und einen wertvollen Beitrag in agilen Kontexten liefern zu können, müssen sich IK-Verantwortliche fit halten. Fit in sozialen Medien, modernen Wissensmanagement-, Vernetzungs- und Kommunikationstools. Fit für Change, der Hand in Hand mit der Agilität geht. Fit in allen Belangen des eigenen Unternehmens, insbesondere hinsichtlich der Unternehmenskultur und den Bedürfnissen der Kollegen. Zum Abschluss darf auch ein wenig Reflexion nicht fehlen: wie steht es eigentlich um die eigene Fehlertoleranz? Und wie erprobt ist man in den für Agilität typischen Feedback-Schleifen? (Hier gibt es  wichtige Tipps zum praktischen Agility-Arbeiten.)

Spannt ein Netz!

Agile IK-Verantwortliche übernehmen wichtige Aufgaben im Unternehmen: Das Vernetzen von Kollegen als Grundvoraussetzung für agiles Arbeiten. In enger(er) Zusammenarbeit mit HR werden Führungskräfte zu neuen Prozessabläufen befähigt, Feedback-Instrumente und Methoden etabliert, Leitbilder und Handlungsprinzipien optimiert. Unterschiedlich strukturierte Bereiche im Unternehmen erfordern besondere Vermittlung zwischen den Positionen. Und vor allem: Je dynamischer das Unternehmen, desto wichtiger ist die Möglichkeit zur emotionalen Verankerung der Mitarbeiter. Hierbei helfen beispielsweise auch virtuelle und reale Begegnungen zwischen der Geschäftsführung und ihren Mitarbeitern und Führungskräften.

Hilfe gefällig?

IK-Experten können Angst vorm agilen Change nehmen, das Verständnis der bisherigen Unternehmenskultur unterstützen und Hilfestellung für gewünschte Veränderungen geben. Vor allem können sie die Aufmerksamkeit auf das Wichtige lenken: zwar stehen geschriebene Werte und Leitlinien oft im Rampenlicht. Was jedoch wirklich zählt, ist das tatsächliche Verhalten. Und das kann man zum Glück: üben, üben, üben. Nichts wie rein ins agile Vergnügen.

 

Wer tiefer in die Materie einsteigen will, dem sei folgende Lektüre empfohlen:

Ulrike Buchholz und Susanne Knorre: Interne Kommunikation in agilen Unternehmen, Eine Einführung. 2017 erschienen in der Reihe essentials des Verlags Springer Fachmedien Wiesbaden.

 

Copyright Aufmacherbild: Jamie Street,Unsplash

DPRG-Trendbarometer: Bye, bye, Silo-Denken!

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Welche Wege schlägt die Kommunikation derzeit ein? Welche aktuellen Trends und Strömungen dürfen Kommunikateure nicht versäumen? Zu den wichtigsten Entwicklungen der Branche veröffentlicht unser Kooperationspartner Deutsche Public Relations Gesellschaft DPRG  regelmäßig das (kostenpflichtige) „Honorar- und Trendbarometer“. Eine Kern-Erkenntnis für 2017: Das Silo-Denken gehört der kommunikativen Steinzeit an. Mindestens. Dumm nur: Zwischen Problemverortung und daraus resultierenden Maßnahmen klafft noch eine fatal große Lücke.

Monolog versus Dialog

Wer mit dem Silo-Bild spontan nichts anzufangen weiß: Silo- oder auch Inseldenken meint, dass Unternehmen auf Abgrenzung statt auf Austausch setzen. Jede Abteilung ist ihr eigener Speicher, in dem unten das gleiche herauskommt, wie oben reingeschüttet wird. Vermischung mit nebenstehenden Silo-Inhalten? Fehlanzeige!

In einer digitalisierten Welt ist diese Kultur der Vergangenheit dringend überholungsbedürftig. Silos fördern Monolog und Tunneldenken. Netzwerke hingegen stehen für Dialog, Zusammenarbeit, den unabdingbaren Blick über den Tellerrand. Neues kann nur an den Schnittstellen und mit Schwarmintelligenz wachsen; dort, wo Neugier, Flexibilität, Innovationsfreude und Agilität zu den unternehmensinternen Grundprinzipien zählen.

IK mit Mantel und Degen

Hier kann und muss die IK in Musketier-Manier für die gute Sache – die Zukunft der Kommunikation – einstehen. „Einer für alle, alle für einen“ lautet das Credo, das Führungskräfte und Mitarbeiter verinnerlichen sollten, damit Unternehmen, Belegschaft und Kultur zeitgemäß wachsen können. Dafür braucht es eine maßgeschneiderte Strategie, die den kommunikativen Rundumschlag vom Leitbild bis zur Kultur-Korrektur vornimmt. Doch erste Maßnahmen weg vom Silo und hin zum Networking kann die IK auch bereits vor einem groß angelegten Change beginnen. Fünf Anregungen von MontuaPartner Communications für mehr Kollaboration.

  1. Apps und Social Intranets: Der einfachste Weg, um Kollegen über Hierarchien hinweg zu vernetzen. Ganz gleich, ob Projektaustausch, Wissenstransfer oder ein informelles Treffen zum Lunch – Unternehmen, die ihren Mitarbeitern Tools zur selbstbestimmten Kommunikation zur Verfügung stellen, berichten von deutlich steigendem Input und Engagement. Das bestätigt auch eine aktuelle Studie (Link am Textende), die besagt, dass „sich unternehmensinterne Social-Media-Plattformen als ein zentrales Element für eine adäquate (…) Zusammenarbeitskultur im digitalen Zeitalter etabliert“ haben.
  2. Mitarbeiter emanzipieren: Wer sich als reiner Befehlsempfänger versteht, wird nicht eigenverantwortlich über Hierarchie- und Ressortgrenzen hinweg den Dialog suchen. Es ist Aufgabe der Führungskräfte, Mitarbeiter zu eigenverantwortlichem Arbeiten zu befähigen. Und es ist Aufgabe der IK, das Management daran zu erinnern.
  3. Zusammen lernen: Weiterbildung über Abteilungen hinweg kann zwischen bislang fremden Kollegen neue Schnittstellen schaffen, die im Daily Business einer gemeinsamen Kommunikationskultur den Weg bereiten. Überdies fördert neues Wissen immer den wichtigen Blick über den Tellerrand.
  4. Bereichsübergreifende Projekte: Ein Thema hat stets viele Seiten: Warum für das nächste Projekt nicht mal ein Team aus allen relevanten Abteilungen zusammenstellen und gemeinsam bearbeiten? Der Output wird wegweisend in Sachen kollaborativer Zusammenarbeit sein.
  5. Feste feiern: Ob Company Days, BBQ oder Kamingespräch: Firmeninterne Events sind wahre Vernetzungsbörsen, die meist weniger formell sind als der Arbeitsalltag und daher exzellent geeignet für neue Kontakte und Allianzen.

Sie werden Ihr Unternehmen mit diesen Maßnahmen nicht gleich in ein Apple-ähnliches StartUp verwandeln. Aber Sie können beginnen, die Lücke zwischen Erkenntnis und Umsetzung zu schließen.

Hier geht’s zur Studie der Hochschule RheinMain

Copyright Aufmacherbild: My Life Through A Lense, Unsplash

 

Agilität kontert dem Chaos

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Agilität und moderne Arbeitswelten – das waren die Kernthemen beim jüngsten Treffen des Arbeitskreises Interne Kommunikation, Change und Leadership Communication der Deutschen Public Relations Gesellschaft DPRG . Seit 2016 leiten Andrea Montua (MontuaPartner Communications) und Christian Buggisch (DATEV) die Fachveranstaltungs-Reihe, die viermal jährlich an verschiedenen Standorten Treffen in Best-Practice-Unternehmen initiiert. Eingeladen hatten diesmal die Kommunikations-Experten der comdirect Bank zu ihrem Firmensitz nach Quickborn nahe Hamburg.

Auf digitale Transformation folgt kultureller Wandel

In ihrem Eröffnungsvortrag erklärte Annette Siragusano, Leiterin des Kommunikationsbereiches bei der comdirect Bank, was Agiles Arbeiten für sie und ihr Team, aber auch für viele weitere Bereiche in der Bank bedeutet. Dabei wurde deutlich, dass selbst eine Online-Bank, deren DNA schon immer digital war, sich mit Digitaler Transformation beschäftigt. Und dass diese Transformation vor allem auch einen kulturellen Wandel mit sich bringt: etwa eine neue Fehlerkultur, Offenheit und Transparenz, neue Arbeitsmethoden, die Selbststeuerung von Teams und damit zwangsläufig auch eine Neuausrichtung von Führung und Kommunikation im Unternehmen.

Agilität bedeutet nicht etwa Chaos, sondern das genaue Gegenteil: Struktur und Methode, um flexibel auf Anforderungen reagieren zu können. Sichtbar und greifbar wird dies vor allem an einem Kanban-Board, mit dessen Hilfe die Kommunikatoren der comdirect Bank ihre Arbeit organisieren. Hier werden Themen verantwortlichen Mitarbeitern zugewiesen, priorisiert und Schritt für Schritt transparent durch den Kommunikationsprozess geschleust – von der Konzeption bis zur Umsetzung. Schnell kann man sehen, ob es einen Stau gibt, ob eilige Themen auf die Überholspur müssen oder wie viel Themennachschub im Backlog wartet. All das wird in einem kurzen täglichen Stand-up-Meeting besprochen.

Annette Siragusano machte aber auch deutlich, dass „agil“ mehr bedeutet, als nur eine bestimmte Methode anzuwenden. Es geht um Grundsätze, Werte, Rollen und Rituale; und um permanentes Lernen und Weiterentwickeln, weshalb sie die comdirect Bank auch auf dem Weg in Richtung Agilität sieht. Die Teilnehmer des Arbeitskreises konnten sich bei einem Rundgang durch die Räume der Bank davon überzeugen, dass Siragusano und ihr Team auf diesem Weg schon ein gehöriges Stück vorangekommen sind. Das Kanban-Board löste lebhafte Diskussionen aus über die Vorteile und möglichen Nachteile der Methode; im Medienraum erfuhren die Besucher, dass die comdirect Bank auch bei der Produktion von Videos für die Interne Kommunikation inzwischen vieles hausintern macht und dadurch an Schnelligkeit gewonnen hat.

Anders arbeiten mit #Werkstolz

Im zweiten Vortrag des Tages ging es um moderne Arbeitswelten. Impulsgeber war Dr. Winfried Ebner von der Deutschen Telekom, der über die Aktivitäten seines Unternehmens ins Sachen Social Media, Agilität und neue Führungswelten berichtete. „Anders arbeiten“ lautet das Konzept der Telekom und betrachtet ganz verschiedene Aspekte wie Arbeitsphilosophie, virtuelle Räume, reale Räume und Menschen-Netzwerke.

Letztere laufen unter Schlagworten oder Hashtags wie #DieGuides – Mitarbeiter, die Geschichten des Gelingens erzählen – oder #Werkstolz: Mitarbeiter, die als Markenbotschafter agieren und aus eigenem Antrieb Sichtbarkeit für die Marke Telekom herstellen. „Wenn wir über Mitarbeiter-Kommunikation reden, reden wir über Kommunikation, die die Mitarbeiter machen“, meinte Ebner und machte klar, dass dies auch die Rolle der internen Kommunikation stark verändert. Als Beispiel für virtuelle Räume stellte er anschließend das interne Social Network der Telekom YAM vor, You And Me, das als zentrale Plattform für Austausch und Zusammenarbeit fungiert.

Doch auch im analogen Leben werden Veränderungen angestoßen und begleitet. Ein Beispiel: Erstmals wurde eine Vorstandssitzung öffentlich durchgeführt, transparent und nachvollziehbar für die Mitarbeiter als Publikum vor Ort oder im Live-Stream. Auch die Telekom-Mitarbeiter sind also auf dem Weg, um künftig anders zu arbeiten.

Die Essenz des jüngsten Arbeitskreis-Treffens? Nichts ist so beständig wie der Wandel. Auch und gerade für die interne Unternehmenskommunikation. Sie haben Interesse, Teil des Arbeitskreises zu werden? Dann treten sie hier mit uns in Kontakt.

Autor: Christian Buggisch, Leiter Corporate Publishing bei DATEV

Copyright Aufmacherbild: Ferdinand Stohr, Unsplash