Event-Rückblick: PR Report-Tour / 6.+7. Mai 2019

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Konzern, Kirche und Sport: Die PR Report-Tour in Frankfurt am Main zum Thema Digitalisierung in der Unternehmenskommunikation war schön abwechslungsreich. Die Eindrücke von MPC-Beraterin Judith Götter im Protokoll:

Das waren die Themen:

Corporate Newsroom – ein Trend, der bleibt: . Fraport und die Deutsche Bank ließen hinter die Kulissen ihres Corporate Newsrooms blicken.

  • Fraport: Themen- und Medienmanagement im Fraport Newsroom, Einführung, Ziele und Veränderungen von Kommunikation und Prozessen.
  • Deutsche Bank: „Wer im Dialog sein will, muss digital sein“. Die Deutsche Bank macht vor, wie der Daten-Dschungel bewältigt und vor allem für die Kommunikation – intern wie extern – genutzt werden kann.
  • Vortrag und Workshop: Prof. Dr. Christoph Moss, der die theoretische Grundlage des Newsrooms als Organisationsprinzip für die Unternehmenskommunikation erläuterte. Permanenter Change, sowohl interne als auch externe Kommunikation sind wesentlich betroffen. Im Workshop entwickelten die Teilnehmer beispielhaft ein Newsroom-Konzept.

Weitere Stationen:

  • DFL (Deutsche Fußball Liga): zum Thema Kommunikation im Spannungsfeld Sport, Wirtschaft und Gesellschaft.
  • GEP (Gemeinschaftswerk der Evangelischen Kirche): Info und Diskussion über virtuelle Kirchen und Cyber Church. Die GEP pusht ihre Online-Kanäle, darunter vor allem YouTube, um junge Menschen zu erreichen und zu binden und gleichzeitig zielgruppengerechten, wertigen Content zu liefern.

Das habe ich mitgenommen:

  • Bei aller Praxis darf die Strategie nicht vergessen werden. Ohne strategische Ziele als Grundlage aller Digitalisierungs- und Umstrukturierungsprozesse kann das Potenzial nicht ausgeschöpft werden oder bleibt auf lange Sicht gar aus.
  • Der Trend Newsroom hält sich konstant als ein Lösungsprinzip, um für die Herausforderungen der heutigen Zeit besser gewappnet zu sein. Und er zeigt Erfolge: Die Unternehmen kommunizieren gezielter und schneller, der Informationsfluss verbessert sich sowohl intern als auch extern. Die Digitalisierung bleibt eine Herausforderung, der sich alle stellen müssen – nicht nur die großen Unternehmen. Aber: Wer das Potenzial der Herausforderung ausschöpfen kann, dem zeigen sich die Vorteile schnell und wirksam. Die vier Stationen der Tour haben das gezeigt.
  • Tolle Einblicke in die unterschiedlichsten Unternehmen und Bereiche der Kommunikationswelt, interessanter Austausch mit Kommunikatoren, die vor den gleichen Herausforderungen stehen.

Die kommenden Touren: https://www.prreport.de/touren/

Copyright Aufmacherbild: Angelina Litvin / Unsplash

MPC-Podcast #4 – mit Trendforscher Harry Gatterer

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Die Steigerung von Trend? Megatrend! Darüber spricht Andrea Montua mit Harry Gatterer in ihrem aktuellen Podcast „Auf einen Tee mit…“. Der Trendforscher und Geschäftsführer des Zukunftsinstituts öffnet uns den Kopf, beschreibt die großen Veränderungsströme unserer Gesellschaft und schafft es doch, den Umgang damit auf unsere alltäglichen Mikrokosmen herunterzubrechen. Ein Plädoyer für echte Begegnungen im Job, Vorbilder, Ankerpunkte und Geschichten. Ohrlektüre für alle, die gerne über den Tellerrand schauen.

Das will ich hören!

Der Corporate Newsroom – wie viel Zukunft steckt in dem Trend?

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Lufthansa Group, Telekom, DATEV, Microsoft sie alle machen es vor. Wer wird folgen?

Seit ein paar Jahren machen es Unternehmen dem Journalismus gleich und organisieren ihre Unternehmenskommunikation in einer Newsroom-Struktur. Wie auch im journalistischen Newsroom gibt es einen Chef vom Dienst und ein Newsdesk, oftmals das Herzstück des Newsrooms, und die Wände zwischen interner und externer Kommunikation werden sowohl metaphorisch als auch oftmals räumlich eingerissen. Intern und extern verschwimmen in der Kommunikation immer mehr – was extern ein Thema ist, kann auch intern relevant sein, und was intern kommuniziert wird, kann heutzutage leichter in externe Kanäle gelangen. Grund dafür sind die mediale Transformation und die einhergehende Digitalisierung in Wirtschaft und Gesellschaft, die neue Wege der Kommunikation ermöglichen. Der Corporate Newsroom soll dabei helfen, die aktuellen Herausforderungen in der Unternehmenskommunikation zu bewältigen und die Kommunikation so besser für die Zukunft zu wappnen. Ist er ein Trend mit Zukunft, oder doch nur eine neue Sau, die durch das Dorf getrieben wird?

Nach anfänglicher Euphorie wirft so mancher Kommunikator einen kritischen Blick auf den Newsroom. Zwar sprießen noch immer Newsrooms aus dem Boden – so plant die Daimler AG derzeit ihre Umstrukturierung, und auch andere Unternehmen diskutieren zumindest die Idee. Jedoch steigen auch Skepsis und Kritik.

Was sind die Schwierigkeiten bei der (vermeintlichen) Wunderwaffe?

Insbesondere die interne Kommunikation ist oftmals skeptisch. Gerade hat sie sich profiliert und bewiesen, hat ihre Relevanz als eigenständige Abteilung gezeigt und wird nicht mehr als die kleine Schwester der externen Kommunikation gesehen. Und nun soll diese neue, stärkere Position wieder aufgelöst werden, indem man mit der externen Kommunikation verschmilzt? Verschwindet damit die Relevanz guter Mitarbeiter- und Führungskräftekommunikation nicht wieder hinter den Journalisten und anderen externen Stakeholdern? Hat die interne Kommunikation dies nicht gerade erst überwunden? Diese Sorgen sind verständlich, aber nicht nötig. Denn ganz im Gegenteil soll das Newsroomprinzip bewirken, dass bei jedem relevanten Thema alle Stakeholder bedacht und ausreichend bedient werden. Der Fokus auf die Kanäle soll aufgelöst und von einem integrierten, themenorientierten Ansatz eingelöst werden. Die Relevanz der internen Zielgruppen sollte dabei niemals unter den Tisch fallen. Tatsächlich sollten die Themenverantwortlichen im Corporate Newsroom von Anfang an alle Kanäle der Unternehmenskommunikation in Betracht ziehen, wozu mit steigender Relevanz die der internen Kommunikation gehören. Alle Zielgruppen müssen bei den für sie relevanten Themen erreicht werden können. Eine strikte Trennung zwischen intern und extern kann dabei zu Doppelarbeiten und versäumten Chancen führen.

Hierbei ergibt sich jedoch eine Schwierigkeit, welche den Befürchtungen der internen Kommunikation ihre Daseinsberechtigung geben. Viele Unternehmen arbeiten zwar in selbsternannten Newsrooms, weisen jedoch nur teilweise die Newsroom-typischen Charakteristika vor. Dies zeigt eine aktuelle Studie von Bentele et al.[1]. Was es bedeutet, einen Newsroom zu haben und wie dieser funktioniert, ist aktuell weder in der Forschung noch in der Praxis einheitlich definiert. Und hier liegt der Hund begraben: Eines der größten Probleme bleibt vorerst die meist noch unklare Definition des Begriffs Newsroom. Während so mancher PR-Profi darunter lediglich eine digitale Plattform zur externen Verbreitung des Contents versteht, sieht der andere darin nichts weiter als eine flackernde Bildschirmwand mit bunten Grafiken und den neuesten Trends auf Twitter und Co. Nur wenige fokussieren beim Newsroom auf den tatsächlichen, für Unternehmen relevanten Kern: Den Prozess, bzw. die themenorientierte, integrierte Denkweise dahinter.

Hinzu kommt, dass nicht nur die Unternehmenskommunikation kommuniziert – auch Human Resources, das Marketing sowie andere Geschäftsstellen nehmen Kommunikatorrollen ein. Nicht zu vergessen sind auch die Mitarbeiter selbst. Ob und wie dies im Newsroomprinzip zu integrieren ist, lösen bisherige Corporate Newsroom Unternehmen auf unterschiedlichste Art und Weise.

Eine besondere Herausforderung bei der Umstrukturierung stellt das Einhalten der Newsroom-typischen Rollen und Prozesse dar. Neue Rollenprofile werden geschaffen, neue Kompetenzen werden erforderlich und insbesondere die Übertragung der Rolle des Chefs vom Dienst aus dem Journalismus in die Unternehmenskommunikation erscheint oftmals schwierig. Hinzu kommt ein Kardinalfehler, der in der Unternehmenskommunikation häufiger auftritt: Die Vernachlässigung der Strategie. Ein Strategieteam, das die Planung sowie die Evaluation der Kommunikation übernimmt, ist jedoch fester Bestandteil des Organisationsprinzips. Der Newsroom-Experte Christoph Moss[2] bezeichnet dieses daher als Dach der Newsroom-Struktur. Unternehmen sollte klar sein: So schillernd und stark die Wände des Newsrooms auch sind – ohne ein starkes Dach regnet es hinein.

So wird der Corporate Newsroom zum Erfolgsbringer

Der Corporate Newsroom ist kein Allheilmittel und keine Wunderwaffe, insbesondere wenn man ihn nicht richtig einsetzt und umsetzt. Wichtig ist: Wir sollten aufhören vom Newsroom zu sprechen und klar definieren, was wir darunter verstehen – denn bei dem Organisationsprinzip Newsroom geht es de facto weder um „News“ noch um einen „Room“. Unternehmen wie die Telekom haben es mit dem Begriff der Content Factory bereits vorgemacht. Jedoch geht es auch nicht darum, Content am laufenden Band zu publizieren. Es geht um einen Prozess, der sich am Thema ausrichtet, statt an einem Kanal. Die Zielgruppe selbst verliert dabei keinerlei Bedeutung. Die Frage wie wir sie erreichen, steht immer noch an erster Stelle. Es ist ein neuer Prozess, ein neues Prinzip, eine neue Denkweise – weshalb im Rahmen des Corporate Newsrooms vom Newsroomprinzip die Rede sein sollte. Denn wer lediglich die Nachrichtenagenturen und Medienhäuser nachahmt und Barrieren zwischen interner und externer Kommunikation sowie alte Arbeitsmuster beibehält, kommt schnell an seine Grenzen.

Die Einführung eines Newsroomprinzips ist ein Change-Projekt und darf als solches nicht unterschätzt werden. Die Unternehmenskommunikation muss sich selbst wandeln und in den eigenen Reihen Change Kommunikation praktizieren, damit ihre Kommunikatoren auf dem Weg hin zu diesem Paradigmenwechsel nicht verloren gehen. Denn dann entpuppt sich das große Potenzial des Newsroomprinzips: Integrierter, schneller, transparenter, und insbesondere effizienter. Natürlich gibt es noch kein Erfolgsrezept, das für jedes Unternehmen funktioniert, und kein Corporate Newsroom gleicht bislang dem anderen. Fragt man jedoch nach dem Sinn und Zweck des Newsroomprinzips, sind die Unternehmen sich einig: Sie würden es nicht mehr hergeben.

Sollten Unternehmen in Zukunft also weiter dem Trend folgen? Ja, aber richtig.

[1] Bentele, G., Seidenglanz, R. & Fechner, R. (2018). Kommunikationsmanagement 2018 – Vermessung eines Berufsstandes. Berlin: Quadriga Media GmbH

[2] Moss, C. (2016). Der Newsroom in der Unternehmenskommunikation. Wie sich Themen effizient steuern lassen. Wiesbaden: Springer VS

Copyright Aufmacherbild: Filip Mishevs / Unsplash

Neue Wege wagen

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New Work in großen Unternehmen? Utopisch! Wir sagen: Stimmt nicht! Auch in großen Firmen und Konzernen gibt es Lichtblicke – und Menschen, die sich täglich dafür einsetzen. Im Interview mit MPC erzählen David Mett (Projektleiter Volkswagen Group Services GmbH*) und Sebastian Philipp (Teamleiter Business Innovation Studio, BIS) von ihren Erfahrungen im Umgang mit unterschiedlichen Arbeitsweisen, von Erfolgen und Hürden – und wie es im Kleinen doch gelingen kann, starre Strukturen aufzuweichen.

 

MPC: David, du hast das BIS mal liebevoll als Kommune bezeichnet. Warum?

DM: (lacht) Das hat verschiedene Gründe. Besonders aufgrund der Art und Weise, wie das Team miteinander umgeht. Mein Verständnis einer Kommune ist eine eingeschworene Gemeinschaft, die sich wenig Gedanken darüber macht, was andere über sie denken, sondern die sich zum Ziel gesetzt hat, mit sich selbst zufrieden zu sein, sich selbst zu verwirklichen – völlig unabhängig von irgendwelchen gesellschaftlich auferlegten Zwängen. Man ist „aligned“, aber dennoch hat jeder die nötige Freiheit, eigenständige Entscheidungen zu treffen. Entscheidungen trifft derjenige, der die meiste Kompetenz hat bzw. die Gemeinschaft. In vielen anderen Bereichen gibt es oft ein klassisches Hierarchiedenken. Das „Warum wir etwas tun?“ rückt dabei in den Hintergrund und das „Wie“ leider viel zu oft in den Vordergrund. Für mich war das ein Kontrastprogramm.

MPC: Sebastian, was macht das Business Innovation Studio aus deiner Sicht im Volkswagen Konzern so besonders?

SP: Wir stehen mit Leidenschaft und unserem persönlichen Engagement für eine Sache. Das ist, glaube ich, für so einen Großkonzern besonders. Wenn du im kreativen Umfeld arbeitest, hast du Leute, die ihren Beruf stärker mit Passion ausüben als in rein analytischen, managementorientierten Berufsfeldern. Diese geforderte Kreativität, die Flexibilität sowie eine fokussierte Kunden- und Serviceorientierung können wir in einem kleinen Team von Spezialisten oftmals besser im Tagtäglichen gestalten als es eine große hierarchiegesteuerte Organisation kann.

MPC: Das Business Innovation Studio steht auch für neues Arbeiten. Würdest du eure Arbeitsweise als agil bezeichnen?

SP: Jein. Wenn man davon spricht, dass Agilität nur Scrum bedeutet, dann nein. Wenn es darum geht, das „Agile Manifest“ im Herzen zu tragen, dann ja.

MPC: Was bedeutet es für dich, das „Agile Manifest“ im Herzen zu tragen?

SP: Das bedeutet, dass das Individuum und Interaktionen wichtiger sind als Prozesse und Werkzeuge. Dass jeder Beteiligte die Freiheit im Denken hat. Dass du auf Veränderungen jederzeit Rücksicht nehmen und reagieren kannst und nicht sklavisch einen Plan befolgst, der am Anfang mal ausgearbeitet wurde, der sich aber im Laufe des Projekts als unpraktisch und schlecht durchdacht herausstellt.

MPC: Ist dann im Umkehrschluss alles, was nicht dieser Herangehensweise entspricht, damit obsolet?

SP: Nein, überhaupt nicht. Es gibt andere Organisationsstrukturen, die sind auch total richtig und wichtig. Gerade in so einem Großkonzern ist es wichtig, dass du auch klare Strukturen und Prozesse – beispielsweise im Finanz- oder Rechtsbereich – hast, sonst könntest du diesen Riesenapparat nur sehr schwer organisieren. Es geht einfach darum, dass im Sinne des „Ziels“, also des Auftrages, ein Höchstmaß an Freiheiten akzeptiert wird, um ein bestmögliches Ergebnis zu erzielen.

DM: Wir kommen aus einer Welt, das ist der Größe des Unternehmens geschuldet, in dem Prozesse über dem Individuum stehen. Der notwendige Wandel im Unternehmen findet aber gerade statt. Allerdings merken wir auch, dass das mit sehr viel Reibung verbunden ist und dass es in so großen Unternehmen vollkommen in Ordnung ist, dass gewisse Themen nach sehr klaren Prozessen ablaufen. Man muss mit Augenmaß unterwegs sein und Fingerspitzengefühl haben, in welchen Situationen was sinnvoll ist. In vielen Bereichen haben wir erkannt, dass der ursprüngliche Plan nicht mehr stur befolgt werden sollte, sondern den sich schnell verändernden Anforderungen und Situationen angepasst werden muss. Das heißt nicht, dass alles Bewährte schlecht ist. Es heißt nur, die Herausforderungen und Themenstellungen jederzeit neu bewerten zu müssen, um dann Strukturen und Prozesse optimal anzupassen bzw. neu zu gestalten. Die größte Herausforderung sehe ich dabei in der Frage, was jeder einzelne Mitarbeiter, Leiter, Manager bis hin zum Geschäftsführer bereit ist aufzugeben, um das klassische „Das haben wir schon immer so gemacht“ zu durchbrechen.

MPC: David: Du hast noch ein Team in Braunschweig für Projektlösungen. Hast du dort Teile der Arbeitsweise des BIS adaptiert?

DM: Ja, ich habe wahnsinnig viel aus dem BIS gelernt und in das andere Team mitgenommen. Es geht schon los mit dem Aufbau eines Jour Fixes, wo es zu Beginn erst einmal darum geht, wo jeder gerade gedanklich steht, was ihn beschäftigt. Das kannte ich vorher so nicht. Und ich fokussiere mich nicht mehr, wie es in der klassischen Denke üblich ist, nur auf mein abgegrenztes Aufgabengebiet, sondern versuche, die Zusammenhänge im Blick zu behalten. Bestes Beispiel: Ich kann ein Lenkrad oder eine Tür bauen, es als abgeschlossenes Teil sehen, oder das Gesamtprodukt Auto betrachten. Mittlerweile versuche ich stets zu hinterfragen und auch die Teammitglieder zu sensibilisieren, warum wir einzelne Aufgaben erledigen, wo es Schnittstellen gibt.

MPC: Gab es in der Vergangenheit Situationen, in denen ihr aufgrund unterschiedlicher Arbeitsweisen an eure Grenzen gestoßen seid?

DM: Ja, zum Beispiel beim Thema Zeit. Auf der einen Seite ist da der Wunsch und das Bedürfnis des Kunden, Dinge kurzfristig zu lösen. Auf der anderen Seite steht ein Dienstleister mit klaren Strukturen, die flexiblen Lösungen im Weg stehen können. Das ist nicht nur für das Team, sondern auch für mich als Projektverantwortlichen frustrierend. Diese Diskussionen halten uns von den Themen ab, die uns eigentlich wichtig sind: Kundenprojekte, Wachstum, Teamstrukturen auszubauen und zu schmieden. Letztendlich dem Konzern zu helfen, die anstehenden Herausforderungen der neuen Automobilität, die das Tempo der Veränderungen unserer Zeit mit sich bringen, zu gestalten.

SP: Hier treffen zwei unterschiedliche Dienstleistungsarten aufeinander. Während wir im Team sehr viel kurzfristiger nach dem klassischen, externen Agenturprinzip arbeiten, wird bei der Volkswagen Group Services als Gesamtdienstleister in ganz anderen Zeithorizonten gedacht. Da merkt man schon, dass alle abhängigen Prozesse – seien es Beschaffungs- oder Personalprozesse – auf diese großen Zeithorizonte ausgelegt sind. Die mögen in einem anderen Kontext ganz wunderbar funktionieren, aber in unserem relativ schnellen, dynamischen Umfeld stellen sie sich oft als unpraktisch heraus. Das ist für mich persönlich, aber auch in unserer Zusammenarbeit der größte Diskussionspunkt.

MPC: Wie habt ihr diese Hürden überwunden?

SP: Wir haben angefangen, diese Prozesse zu identifizieren und uns überlegt, welche Anpassungen notwendig sind. Wie viel Freiheit braucht es in gewissen Prozessen? Welche Prozesse müssen komplett neu geschaffen werden? Man kann nur neue Wege wagen, indem man immer auch in einen gewissen Widerstand geht und Gewohntes hinterfragt. Das ist natürlich ein Balanceakt: Unser Mindset ist auch unser USP. Aber in der Perspektive nach innen sorgt das auch für Kritik. Wir haben uns zusammengesetzt und die Schnittstellen identifiziert, wo es oft zu Krach kommt. Wir sind in die Kommunikation mit unseren Stakeholdern der Volkswagen Group Services gegangen und haben daran gearbeitet, wie man diese Schnittstellen und Prozesse anpassen kann, sodass sie zum einen weiterhin regelkonform sind, aber auch eine neue Form des Arbeitens im gesamten Unternehmen ermöglichen. Wir haben besprochen, wie wir Rekrutierungsprozesse so anpassen können, dass sie schneller und flexibler funktionieren. Wir haben geschaut, wie sich das Ganze mit den Tarifsystemen, der Corporate Identity, der Abteilung für Kommunikation, der IT und den Beschaffungsprozessen vereinbaren lässt. Und wir haben dabei gelernt, dass unsere Kollegen grundsätzlich hilfsbereit und lösungsorientiert sind und auch gern Neues wagen wollen.

MPC: Gibt es denn schon Teilerfolge?

DM: Klar, das ist aber ein fortwährender Prozess. Wir haben mehr Flexibilität in den Rekrutierungsprozessen erreicht – das Wachstum von zwei auf 14 Mitarbeiter innerhalb von zwei Jahren spricht für sich. Wir haben es auch geschafft, Verständnis für diese Abteilung zu schaffen und für das, was wir brauchen. Was uns aber noch nicht richtig gelungen ist, sind nachhaltige Veränderungen. Wir müssen den Geschäftsführern und Bereichsleitern – am Ende jedem, der uns auf dem Weg begleiten soll – aufzeigen, dass innovative Dienstleistungen ohne neues Arbeiten nicht gedacht, entwickelt und umgesetzt werden können. Es müssen konsequent und dauerhaft die nötigen Freiräume geschaffen werden, die wir zur Verwirklichung brauchen.

MPC: Welche konkreten Tipps könnt ihr anderen Teams mit auf den Weg geben, die in einem größeren Unternehmen flexibler und schneller arbeiten, sich hin zu einer agilen Arbeitsweise entwickeln möchten?

DM: Was für mich absolut im Vordergrund steht und was ich gelernt habe: Die richtigen Fürsprecher und Multiplikatoren zu suchen. Es ist unheimlich wichtig, in der Geschäftsführung, in der Bereichsleitung, beim Personal, bei der Beschaffung und sämtlichen anderen Querschnittsfunktionen einen oder mehrere Kollegen zu finden, die sich für das Thema begeistern. Diesen Verbündeten – im Geiste – gilt es dann mit allen möglichen Informationen und Vorteilen zu betanken, ihm Benefits aufzuzeigen, sodass er in seinem jeweiligen Wirkungskreis der Multiplikator sein kann; der Treiber, um die Freiräume zu schaffen, die es braucht. Dabei ist es wichtg, deren Agenda, Ziele und persönliche Motivation zu kennen und diese mit den Benefits deines eigenen Vorhabens zu verknüpfen.

SP: Für dich als Team musst du ganz klar sein, wo du hin möchtest. Du brauchst einen sehr klaren Fokus, wer du bist und wer du nicht bist. Nur daraus kannst du die Kraft ziehen, dich auf das ganze Thema Veränderung einzulassen. Du solltest dabei nach vorne blicken und dich nicht zu sehr am bestehenden System abkämpfen. Und ganz wichtig ist, dass du die Stakeholder Teil deiner Arbeit werden lässt. Nur durch die eigene Erfahrung kannst du Verständnis für Veränderungen erwecken. Kurz gesagt: Das Management einzuladen, deine Passion mitzuspüren und ein Feuer in ihnen zu entfachen.

Das Interview führte Susanne Stöcker

 

Sebastian Philipp (links) und David Mett

Foto: Susanne Stöcker

 

* Die Volkswagen Group Services (www.volkswagen-groupservices.com) bietet in einem breiten Spektrum Automotive-Dienstleistungen für den Volkswagen Konzern an. Seit 2014 kreiert das Business Innovation Studio (BIS) als eine konzerninterne Agentur Service- und Businessdesign für verschiedene Kunden und Auftraggeber aus dem gesamten Volkswagen Konzern.

Copyright Aufmacherbild: Nathan Rodriguez/Unsplash

Was bleibt, was kommt in der IK

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Wir wagen den Ausblick und sagen, was 2019 in der IK wichtig werden wird. Lesen Sie mehr in der ersten Folge der „Echolot“-Kolumne in diesem Jahr auf pressesprecher.com.

 

Copyright Aufmacherbild: Andy Cat / Unsplash

 

Braucht kein Mensch

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Der nächste Hype heißt aufräumen. Auf Netflix räumt die Bestsellerautorin Marie Kondo seit Jahresbeginn in Serie auf und plötzlich wird eine Tätigkeit, die bisher meist der Aufschieberitis zum Opfer fiel, zum Trend. Gut, man muss nicht auf jeden Zug aufspringen, aber dieser hier passt hervorragend zum Start in die Jobroutine. Geht ja jetzt wieder los.

Machen Sie so weiter wie im alten Jahr? Wiedervorlage öffnen und schauen, was so ansteht? Klar, muss ja erledigt werden, aber danach lohnt es sich, alleine oder im Team einmal alles hervorzukramen, was Sie in der IK auf dem großen Zettel haben.

  • Stimmt mein Fokus noch?
    Oder will ich in Zukunft eigentlich etwas ganz anderes in der Internen Kommunikation erreichen? Langfristige Konzepte sind gut, aber auch die Unternehmenswelt dreht sich immer schneller und so manches Konzept muss sich mitdrehen. Haben Sie den Mut, Vorhaben zu hinterfragen und eventuell auf den Kopf zu stellen. Dazu zählen auch einzelne Maßnahmen, die vor einem Jahr noch sinnvoll waren, aus heutiger Sicht aber eher überflüssig.
  • Bespiele ich immer noch die richtigen Kanäle?
    Nur weil die Mitarbeiterzeitung seit zehn Jahren viele Arbeitsstunden füllt, ist sie nicht unverzichtbar. Nicht jeder Newsletter wird seinem Namen gerecht. Gebloggt wird nur sporadisch. Und warum nimmt die Teilnehmerzahl bei den Stand-ups eigentlich kontinuierlich ab? Wenn Sie jetzt Ihre Tools einem kritischen Blick unterziehen und da abspecken, wo die Hose zwickt, dann bleibt mehr Zeit für die relevanten Kanäle und wirkliche Qualität beim Content.
  • Kenne ich meine Kollegen und weiß, was sie sich in der IK wünschen? Auch eine Mitarbeiterumfrage hat eine Halbwertszeit. Planen Sie Ihre nächste Umfrage und setzen sie möglichst bald um. Fünf geschlossene und eine offene Frage reichen vollkommen.
  • Bin ich auf dem neuesten Stand der IK-Entwicklungen? Oder brauche ich ein wenig Nachhilfe, eine Auffrischung meines Wissens? Wer jetzt schon die Pflöcke für seine jährliche(n) Fortbildung(en) einschlägt, zeigt Initiative und Engagement. Darüber hinaus ist der Freigabeprozess leichter, wenn man nicht der zehnte Kollege ist, der seinen Antrag einreicht.

Aufräumen befreit, macht den Weg frei für neue Ideen und beschert uns gleichzeitig frei gewordene Zeit, die besser genutzt werden kann. Sie können zum Beispiel früher nach Hause gehen und Binge Watching betreiben. Herrlich.

 

Copyright Aufmacherbild: Unsplash/ Pacific Office Interiors

Was bist du groß geworden!

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IK-Trends 2019

/ 2018 ist das Jahr, in dem die Interne Kommunikation erwachsen geworden ist. Transformation und Veränderungsvielfalt sei Dank. Selbst Vorstände und Geschäftsführer nehmen sie mittlerweile ernst, sie darf mit am Tisch der „Großen“ sitzen und ihre Meinung hat mehr und mehr Gewicht. Eine Entwicklung, die uns bei MontuaPartner Communications natürlich sehr freut – auch und gerade, weil wir mit unserer Arbeit einen Beitrag dazu leisten dürfen. Wir haben zum Jahresende bei den Experten unseres Teams nachgefragt, wo Interne Kommunikation und Change gerade stehen – was bleibt, was kommt und was geht?

Wir sehen uns wieder – diese Themen bleiben

  • Veränderungen: sind und bleiben in aller Munde. Ein Ende der professionellen Begleitung von kleinen und großen Transformationsprozessen ist nicht abzusehen, deshalb müssen wir IK- und HR-Kollegen noch kreativer und gezielter damit umgehen. Kommunikation mit und für Mitarbeiter und Führungskräfte bleibt der entscheidende Hebel, um die Menschen im Unternehmen auf dieser turbulenten Reise mitzunehmen. Nur wer Veränderungen versteht und einordnen kann, wird ihnen gelassen und zuversichtlich begegnen – sie idealerweise sogar mitgestalten wollen. In Zeiten von demokratischem Führungsverständnis und neuen Formen des Zusammenarbeitens ist die IK Lieferant für Hintergründe.
  • Digital first: Apps, Blogs, Vlogs, interaktives Gaming, eMagazine – die Bandbreite ist groß und die Unternehmen probieren vieles aus. Was aber alle vereint und leiten sollte ist, dass jeder Schritt in die Digitalisierung einen Schritt ins Zwischenmenschliche, Persönliche, nach sich zieht.
  • Face-to-Face: Der Digital-Trend ist untrennbar mit der Gegenbewegung verknüpft – einer Bewegung hin zu mehr Persönlichem und zu Nähe. Ein sicheres Indiz: Papier-Planer feiern im Zeitalter der digitalen To-do-Liste gerade ein Revival.
  • Mitarbeiter-App: Als internes Medium wird sie ihre Position behaupten und sogar noch an Bedeutung gewinnen. Vielleicht kann und wird sie dem (Social) Intranet mehr und mehr den Rang ablaufen? Die vielen Vorteile für schwer erreichbare Mitarbeiter sind einfach riesig.
  • New Work: Was mancherorts bisher nur testweise in Projektteams geprobt wurde, wird zum unternehmensweiten Change. Diesen Prozess muss die IK langfristig und kreativ begleiten. Während einige Kollegen direkt in der neuen Struktur zuhause sind, machen sich andere gerade erst auf den Weg.


Herzlich willkommen – das erwartet uns

  • Tempo: Die Interne Kommunikation wird noch relevanter, schneller und intensiver werden – analog zu der anhaltenden Phase, die von Change und Transformation bestimmt ist und deren Geschwindigkeit noch zunimmt. Dabei dürfen neben relevanten Inhalten auch spielerische Elemente Einzug halten und…Humor!
  • Agilität: In jeglicher Ausprägung und für unterschiedlichste Gruppen im Unternehmen. Die Themen eLearning, Selbstorganisation, Working Out Loud (angeblich arbeitet bereits jedes DAX-Unternehmen mit WOL), digitale Anwendungen und vernetzte Mitarbeiter werden ganz nach oben schwimmen. Immer mehr Unternehmen handeln im Change zukünftig in drei Kategorien: Toolset (Anwendungen, Plattformen, Apps), Mindset (Kultur, Lernfähigkeit, Kreativität), Skillset (Trainings, eLearning, agile Methoden).
  • Bewegung: Die IK traut sich mehr zu, wird mutiger und wagt den Schritt zu bewegten Formaten. Vodcasts werden ein wichtiger Kanal, der informiert und unterhält, der bei den Mitarbeitern ankommt und zum schnelleren Tempo passt.
  • Professionalisierung: IK-Professionals werden händeringend gesucht, die Nachfrage steigt mit den immer komplexeren Aufgaben, die bewältigt werden müssen. Die Angebote für Aus-, Fort- und Weiterbildung nehmen entsprechend zu. Gut so!

Danke, wir sagen (langsam) Tschüß!

  • MAZ: Die Mitarbeiterzeitschrift ist weiter auf dem Rückzug, weil Apps und das „mobile Intranet“ einfach immer wichtiger werden. Obwohl die MAZ unbestritten imageprägend ist und Wertschätzung vermittelt, verzichten Unternehmen zunehmend darauf – zugunsten schneller, digitaler Kanäle.
  • Masse: Weniger ist mehr, wenn man die Mitarbeiter wirklich erreichen will. Also werden einige Kommunikationskanäle und -inhalte gehen müssen. Nicht dass, sondern wie kommuniziert wird, wird zunehmend wichtig. Endlich.

 

Es wird also alles andere als langweilig werden, in der Internen Kommunikation. Überrascht uns das? Nicht wirklich, denn schließlich haben wir es täglich mit Menschen zu tun, mit ihren Vorstellungen, Ideen und Wünschen. Wir bei MontuaPartner freuen uns auf die Entwicklungen im neuen Jahr. Einen ganz wichtigen Trend, die Professionalisierung der Internen Kommunikation, haben wir bereits aufgegriffen: Als Dozenten der „Intensivausbildung Interne Kommunikation und Change”, die 2019 erstmalig von der Deutschen Akademie für Public Relations (DAPR) angeboten wird, sorgen wir mit zahlreichen weiteren Kollegen dafür, dass die Qualität den Trends in Sachen IK & Change Rechnung trägt.

Copyright Aufmacherbild: Samuel Zeller / Unsplash