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DSGVO – Schutz oder Hemmschuh?

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Mit Bangen erwartet und mitunter schon verflucht. Die Europäische Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) hat jeden von uns bereits beschäftigt. Positiv: Nie war die Chance so groß, mal wieder zu überblicken, auf welchen Mailinglisten man steht. Und natürlich ist es gut, die eigene Privatsphäre besser schützen zu können. Etwas lästig wird es dann, wenn lang gelebte Arbeitsabläufe überdacht und verändert werden müssen. Die Interne Kommunikation ist da keine Ausnahme. Im Gegenteil, denn gerade hier wird mit Fotos, Daten und Informationen der Kollegen gearbeitet. Was geht da noch? Wo muss ich aufpassen? Wir haben einen gefragt, der es ganz genau weiß. Hier die Antworten von Prof. Dr. Johannes Caspar, dem Hamburgischen Beauftragten für Datenschutz und Informationsfreiheit.

MPC: Eine Mitarbeiterzeitung lebt von Bildern, die Kolleginnen und Kollegen zeigen und den Geschichten dazu. Darf die Redaktion diese nach wie vor abdrucken? Was ist grundsätzlich erlaubt und was nicht mehr?

JC: Wenn die Mitarbeiterzeitung rein betriebsintern bleibt und keine Kolleginnen und Kollegen auf unpassende Art und Weise abgebildet werden, spricht nichts dagegen, Betriebsveranstaltungen derart für alle zu dokumentieren. Der Arbeitgeber hat dann ein berechtigtes Interesse daran, zur Information der Beschäftigten und zur Förderung des Betriebsklimas Neuigkeiten in illustrierter Form zu verbreiten. Wichtig ist bei jedem einzelnen Bild eine Abwägung mit eventuell entgegenstehenden Interessen des abgebildeten Mitarbeiters.

MPC: Dienstjubiläen, neueingestellte Kollegen, Ehrungen und Auszeichnungen sind Ereignisse, die intern von Interesse sind. Darf die Personalabteilung diese Informationen regelhaft beziehunsgweise wie bisher an die Interne Kommunikation zur Veröffentlichung weitergeben?

JC: Die angesprochenen Anlässe sind freudiger Natur, sodass viele Arbeitnehmer damit einverstanden sind, dass ihre Kolleginnen und Kollegen davon erfahren. Das ist jedoch nicht immer der Fall. Manche Personen wünschen keine Veröffentlichung, die Rückschlüsse auf ihr Alter zulassen. Hinzu kann der Druck kommen, „einen ausgeben zu müssen“. Aus diesem Grund sind Jubiläen und ähnliche Anlässe nur mit ausdrücklicher Zustimmung des Gefeierten betriebsintern zu veröffentlichen. Einstellungen, Pensionierungen usw. dürfen unternehmensweit bekannt gemacht werden, wenn ein kommunikativer Austausch über die Abteilungen hinweg für die Betriebsabläufe notwendig ist. Dann ist es für alle von Belang, wer aktuell welche Aufgabe wahrnimmt.

MPC: Was mache ich mit meinem Archiv? Muss ich alte Ausgaben der Mitarbeiterzeitung und mein Bildarchiv löschen?

JC: Die neue europäische Datenschutz-Grundverordnung überlässt die Regelung des Beschäftigtendatenschutzes den Mitgliedstaaten, sodass sich am hiesigen Recht in diesem Bereich wenig geändert hat. Bislang zulässige Berichte und Fotografien in Mitarbeiterzeitungen müssen deshalb nicht vernichtet werden. Wenn allerdings Informationen darin verbreitet wurden, die zustimmungsbedürftig waren und die damalige Einwilligung nicht mehr nachvollzogen werden kann, besteht keine Grundlage mehr dafür, die Daten weiter aufzubewahren.

MPC: Wie viel müssen wir künftig schriftlich abstimmen und uns Genehmigungen einholen in der Internen Kommunikation?

JC: Die Datenschutz-Grundverordnung verlangt vom Verantwortlichen, dass er die Einhaltung des Datenschutzes in seinem Unternehmen nachweisen kann. Das wird nur gelingen, wenn Abläufe dokumentiert werden. Wenn Datenverarbeitungen auf Grundlage von Einwilligungen vorgenommen werden, sollten diese auch schriftlich oder auf andere Weise fixiert werden.

MPC: Inwieweit muss jeder einzelne Mitarbeiter sich mit der Datenschutzverordnung auseinandersetzen und sie in seinem Alltag beachten?

JC: Die Verantwortung dafür, dass die Mitarbeiter hinreichend geschult sind, um die Daten ihrer Kunden und Kollegen ausreichend zu schützen, liegt beim Arbeitgeber. Dieser hat – gegebenenfalls mit Hilfe des betrieblichen Datenschutzbeauftragten – die Mitarbeiter zu sensibilisieren. Da jegliche elektronische Kommunikation von der Datenschutz-Grundverordnung reguliert wird, müssen sich fast alle Mitarbeiter damit auskennen, was in ihrem Aufgabenbereich erlaubt ist.

MPC: Gibt es Bereiche, die besonders betroffen sind und besondere Absprachen/Vorkehrungen treffen müssen?

JC: Beabsichtigt ein Arbeitgeber die Veröffentlichung der Namen oder gar Abbildungen seiner Mitarbeiter auf der Unternehmenswebsite, so ist dies nur im Einzelfall möglich. Es muss sich dabei um Mitarbeiter handeln, die im direkten Außenkontakt stehen und eine besondere Vertrauensstellung einnehmen. Das kann unter Umständen bei einem Arzt oder auch einem Kundenberater der Fall sein. Dann kann der Arbeitgeber verlangen, dass die Kunden sich informieren können, mit welchem Ansprechpartner sie es zu tun haben. Ein weiterer Dauerbrenner im Beschäftigtendatenschutz ist die private Nutzung der dienstlichen EDV und Internetanbindung zu privaten Zwecken. Hier sollte rechtssicher geregelt werden, ob eine private Nutzung erlaubt ist. Die nähere Ausgestaltung der Nutzung von IuK-Technik sollte den Betriebsvereinbarungen oder vertraglichen Gestaltungen vorbehalten bleiben.

 

Unser Tipp: Listen Sie alle Vorgänge der Internen Kommunikation auf, in der Sie und Ihr Team personenbezogene Daten verarbeiten. Zusammen mit dem Datenschutzbeauftragten Ihres Unternehmens sollten Sie rechtssichere, aber auch praktikable Lösungen erarbeiten. Niemandem ist geholfen, wenn interne Medien zu Bleiwüsten werden oder verschwinden, aus Angst, einen Fehler zu machen. Und wenn die Verordnung sogar die Digitalisierung in der IK ausbremst, wird gut gemeinter Schutz zum Hemmschuh.

Viel mehr Informationen zum Thema DSGVO bietet die offizielle Seite der Behörde.

Copyright Aufmacherbild: Aaron Mello / Unsplash

Die unerhörten Kollegen

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Es ist eine der großen Herausforderungen für die Interne Kommunikation: Wie erreiche ich die Kollegen ohne PC-Arbeitsplatz? Sie sind in der Regel physisch abgekoppelt und durch die oft gar nicht mal große Entfernung, aber eben räumliche Trennung weniger an das Geschehen in der Zentrale angebunden. Es besteht eine Distanz, die ein Miteinander, ein Wir-Gefühl und die Motivation nicht fördert. Absolut absurd, denn das Kerngeschäft des Unternehmens findet meist genau dort statt: In der Produktion, auf der Ladenfläche oder beim Kunden. So kommt es oft auch zu Unverständnis unter den Mitarbeitern, wenn der eine nicht weiß, was der andere tut und der Graben dazwischen größer und größer wird. Wie Parallelwelten können sich zwei Unternehmenskulturen entwickeln, die beide ihr Ding machen.

Senden ist nicht Erreichen

Um das zu verhindern, setzt die Interne Kommunikation meist ihre Klassiker ein: Das Schwarze Brett, gedruckte Newsletter und die Mitarbeiterzeitung. Damit diese Kanäle ihren Zweck erfüllen, braucht es aber auch immer ein funktionierendes, schnelles und verlässliches Verteilsystem. „Das hängt normalerweise die Frau Müller ans Brett und die ist seit gestern krank“, sind Sätze, die jeder IK-Verantwortliche kennt, der damit arbeitet. Und nicht jeder Mitarbeiter ist an das interne Postsystem angeschlossen oder kann täglich darauf zugreifen.

Die Ausrichtung der Medien an den Zielgruppen wird oft vernachlässigt. Computerterminals, Screens oder Tablets, die für alle nutzbar sind, funktionieren nur für einige wenige. Nicht zu vergessen: Was der Bürokollege so nebenbei fix liest, ist für den „Arbeiter“ nicht Teil seiner täglichen Arbeit und geht deshalb weniger leicht von der Hand. Darüber hinaus wäre es vermessen zu erwarten, dass Pausen damit verbracht werden, die Hausmitteilungen an einem Bildschirm aufzurufen. Die Mitarbeiterzeitung wird zwar gerne in die Hand genommen, ist aber oft sehr komplex und textlastig. Besteht eine Belegschaft aus vielen Nationalitäten, sollte die MAZ eher auf eine starke Bildsprache setzen.

Wer heute nach Lösungen sucht, um wirklich jeden zu erreichen, kommt fast automatisch auch zum Thema Mitarbeiter-App. Aber passt die immer und überall? Ja und Nein. Natürlich ist die Reichweite bei einer App sehr groß und die Akzeptanz heute deshalb so breit, weil es dem privaten Verhalten der Nutzer entspricht. 54 Millionen Deutsche ab 14 Jahren haben ein internetfähiges Mobiltelefon*, das entspricht 78 Prozent der Gesamtbevölkerung. Aber das private Device für den Job nutzen? Für viele ein Thema, vor allem, wenn das WLAN fehlt: „Die spinnen doch“. Außerdem sollten Sie zwischen dem Kollegen im Blaumann und dem im Außendienst, Vertrieb oder Verkauf unterscheiden. Die Bedürfnisse sind die gleichen – alle wollen informiert sein – aber die Arbeitsalltage unterscheiden sich. Bei einigen kommt erschwerend noch der Schichtdienst hinzu.

Herausfordernd, individuell, lösbar

Egal also, ob die Kollegen in der Produktion, im Außendienst, auf der Baustelle, im Lager, im Führerhaus oder in der Filiale arbeiten – für die IK ist es eine knifflige Aufgabe, die Mitarbeiter „draußen“ zu erreichen und sie wird nicht selten daran gemessen, ob es gelingt. Wir zeigen Ihnen ein paar Hebel, um die Kommunikation auf ein nahezu gleiches Niveau zu bringen.

  • Prüfen Sie die App-Lösung: Mit einer App können Sie Ihrer IK die Siebenmeilenstiefel verpassen, aber zunächst kostet sie Zeit und Geld. Deshalb sollten Sie sich vorab ein Stimmungsbild machen: Was sagen GF, IT, HR und Betriebsrat dazu und vor allem: die Mitarbeiter. Was ist ihnen wichtig? Was müsste eine App bieten? Was wäre ein Mehrwert? Holen Sie sich externe Hilfe für den Auswahl- und den Umsetzungsprozess, wenn das Votum positiv ausfällt.
  • Starten Sie den Dialog: Face-to-Face-Formate wie Townhalls, Stand-ups oder einfach nur regelmäßige Besuche machen ganz viel aus. Die Geschäftsleitung nimmt sich Zeit. Dieser Subtext ist so viel wertiger, als eine digitale Nachricht. Das muss gar nicht lange dauern. Einmal im Monat 30 Minuten beisammen stehen, erzählen und fragen: Das treibt uns um. Was steht an? Wie geht’s? Eine Routine, die verbindet und Halt gibt. Und nicht vergessen: Unterstützen Sie die Abwärtskommunikation mit einer Zusammenfassung des Gesagten.
  • Bieten Sie Support aktiv an: Die Führungskräfte der externen Kollegen sind deren wichtigste Informationsquelle. Gerade diese Gruppe sollte also bestens informiert sein und optimal unterstützt werden. Das kann in Form von fertigen Formulierungen geschehen, aber auch mit Hilfe eines Farbsystems, das die Inhalte kategorisiert: Vertraulich, zu kommunizieren ab / bis, mögliche Fragen, et cetera.
  • Drehen Sie den Spieß um: Bei größeren Anlässen wie der Betriebsversammlung, einem Fest oder einem Weihnachtsevent können die Bürokollegen sich auch mal auf den Weg „nach draußen“ machen. Neben der wertschätzenden Geste, entdeckt der ein oder andere vielleicht sogar sehenswertes Neuland. So kommt es nebenbei zum Austausch und zu interkultureller Verständigung.
  • Schaffen Sie ein Netzwerk: Mit einem Netz von Vertrauenspersonen am Standort können Sie viel erreichen. Zum einen verlängern Sie Ihr Ohr in die Belegschaft, zum anderen hilft es Ihnen, Informationen schnell und gezielt zu verteilen. Binden Sie diese Gruppe intensiv in relevante Prozesse ein, damit ganz selbstverständlich ein Geben und Nehmen entsteht. Auch ein redaktionelles Netzwerk ist Gold wert für die IK.

Gewerbliche Mitarbeiter tatsächlich zu erreichen, ist ein individuelles Unterfangen und hängt sehr davon ab, wie ein Unternehmen tickt. Genauso individuell wird Ihre Lösung aussehen. Lassen Sie sich nicht von Fehlversuchen entmutigen. Der Weg lohnt sich allemal und am Ziel wartet on top eine gestiegene Reputation der IK.

 

Hier ein älterer, aber immer noch relevanter Blogbeitrag zum Thema App.

Copyright Aufmacherbild: Zbysiu Rodak / Unsplash

* Quelle: Bitkom

 

 

 

 

 

Hier bloggt auch der Chef

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Nicht jedem Trend hinterherjagen, aber dennoch immer am Puls bleiben. Das gilt auch für interne Kommunikationsprofis: Das Social Intranet ist und bleibt ein unerlässliches Tool für zeitgemäßen Mitarbeiterdialog. Warum? Es entspricht unserem heutigen Kommunikationsverhalten, ist intuitiv und informativ. Die Interne Kommunikation wird dadurch einfacher, schneller und direkter, ohne Hierarchiehürden. Ein Social Intranet ist wie ein kleinster gemeinsamer Nenner, der es allen erlaubt mitzumachen. Fast nebenbei und fast überall.

Immer noch nicht überzeugt? Sechs gute Gründe für ein Social Intranet – und warum sich auch Ihre Interne Kommunikation dafür stark machen sollte:

 

  1. Unternehmenskultur leben: Es gibt keine passendere Plattform, um unternehmerische Leitlinien und Werte tagtäglich zu gestalten. Diese beinhalten vielleicht Absichten wie: Wir wollen Dialog, wir wollen Wissenstransfer. Bestens! Ein Social Intranet sagt: Lasst uns reden. Hier gibt es Austausch. Hier können wir teilen. Denn wie häufig bleiben die propagierten Werte und Missionen sonst im Verborgenen? Ziemlich oft. Zwar in geschliffene Worte verpackt und schön gestaltet, aber eben nicht im Alltag spürbar. Mit einem auf die individuellen Bedürfnisse zugeschnittenen Social Intranet können Sie all das ans Licht und ins Leben holen.
  2. Führung zeigen: Für das Kommunikationsteam gehört der Austausch mit der Chefetage zum Joballtag. Doch gerade in größeren Unternehmen kennen die meisten Mitarbeiter die Führungsriege nur vom Hörensagen. Für 90 Prozent der Kollegen sind diese Menschen kaum mehr als ein Foto auf der Website. Das Social Intranet verleiht allen Unternehmensakteuren gleichberechtigt eine Stimme – vom Azubi bis zum Geschäftsführer. Und lässt sie antihierarchisch miteinander in den Dialog treten. Warum nicht mal einen wöchentlichen Geschäftsführer-Chat ausprobieren?
  3. Mitarbeiter aktivieren: Digitale Dialogformen nutzt nahezu jeder – zumindest im privaten Umfeld. Die Hürde zum Social Intranet ist für die meisten deshalb eher gering. Schafft es die Interne Kommunikation mit guten Inhalten die Partizipation anzufeuern und Berührungsängste gar nicht erst entstehen zu lassen, läuft der Dialog. Ein Social Intranet ermuntert so auch Mitarbeiter zur Interaktion, die bislang keine Plattform hatten. So können unterschiedliche Standorte näher zusammenrücken. Gerade für Kollegen, die räumlich entfernt oder mobil unterwegs sind, bietet es einen direkten Draht zum Headquarter.
  4. Stimmungsbarometer: Wie ticken wir als Unternehmen derzeit? Ein Social Intranet hilft, Stimmungen zu erkennen und zu verstehen, Entwicklungen abzulesen und Defizite rechtzeitig aufzudecken. Ist die Präsenz der IK entsprechend hoch, wird der Mehrwert groß sein. Sie können mit Ihren Mitteln reagieren und Missstände schnell und gezielt beheben.
  5. Know-how für Fortgeschrittene: Wissensmanagement wird im Social Intranet einfacher und gezielter. Inhalte, die in vielen Intranets verschollen scheinen und auch der Suchfunktion ein Rätsel bleiben, sind hier schnell auffindbar. Projektteams arbeiten effektiver und vernetzter, indem sie ihre Informationen mit allen relevanten Personen und Abteilungen teilen. Der direkte Austausch von Dokumenten hält alle stets auf dem aktuellen Stand. Das erleichtert auch das Onboarding neuer Kollegen.
  6. Shitstorm? Nein, danke! Natürlich braucht es auch intern ein paar allgemeingültige (Anstands-)Regeln, damit die Form gewahrt bleibt und der Austausch nicht zum Ventil für wird. Ein Social Intranet ist kein Kummerkasten 4.0. Es ist Aufgabe der Internen Kommunikation und der Führungskräfte zu zeigen, wie man wertschätzend und konstruktiv kommuniziert. Und wenn die Stimmung digital doch einmal hochkocht, müssen die Kommunikationsexperten steuernd und empathisch zur Stelle sein. Nur dann wird das Social Intranet dauerhaft zum wertvollen Tool für alle Mitarbeiter.

 

Sie haben noch nicht genug? Hier und hier finden Sie unsere früheren Beiträge zum Thema Social Intranet.

 

Copyright Aufmacherbild: Gez Xavier Mansfield, Unsplash

 

Digitale Mitarbeiterkommunikation geht steil

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Das Thema Social Intranet und Apps für die Interne Kommunikation bewegt derzeit viele Kommunikationsverantwortliche. Anders lassen sich die Rekord-Anmeldezahlen für das letzte Treffen des DPRG-Arbeitskreises „Interne Kommunikation, Change und Leadership Communication“ in diesem Jahr wohl nicht erklären. Kein Wunder: Digitale Mitarbeiterkommunikation gewinnt thematisch immer weiter an Höhe, hat seinen Zenit noch lange nicht erreicht. Einziger Wermutstropfen des Arbeitskreises: Bei 50 Anmeldungen war Schluss, alle weiteren Interessenten mussten vertröstet werden. Kein Grund für Trübsal: Am Ende des Beitrags kann man sich direkt für den nächsten Arbeitskreis anmelden.

Gilt mobile first?

In den Räumen der Union Investment in Frankfurt am Main gab es einen Tag lang intensiven Wissensaustausch rund um die digitale Mitarbeiterkommunikation am klassischen Büro-PC, vor allem aber auch an mobilen Endgeräten. Viele Diskussionen unter den Teilnehmern folgten: Gibt es eine „Mobile first“-Strategie oder wird Kommunikation zuerst noch für große Bildschirme konzipiert? Gibt es native Kommunikations-Apps oder mobile, idealerweise responsive Webseiten für die Mitarbeiter-Kommunikation, also solche, die sich an die Größe des Tablets oder Smartphones anpassen? Gibt es derartige Lösungen nur für Dienstgeräte, über die oft nicht alle Mitarbeiter verfügen oder auch für private Endgeräte, Stichwort „Bring Your Own Device“? Fragen über Fragen, die auch die Referenten dieses Arbeitskreises sehr unterschiedlich beantworteten.

Nichts geht ohne Content-Strategie

Zunächst erläuterte Gastgeber Stefan Kantzenbach, Leiter Unternehmenskommunikation bei der Union Asset Management Holding AG, Organisation und Strategie seiner internen Kommunikation. Er zeigte, wie wichtig es ist, weg von einer Sender- und Botschaften-Denke hin zur Betrachtung einer Leserreise zu kommen, die fragt, was für den Leser wann und wo relevant ist. Die so identifizierten Inhalte werden bei der Union Investment in vier Kategorien eingeteilt, die jeweils über eigene Kanäle kommuniziert werden: Maßgebliches (hier geht es um die Befähigung von Führungskräften in einem eigenen Intranet-Bereich und via Newsletter), Aktuelles (Online-Nachrichten), Interessantes (Online-Storytelling) und Hintergrund (in einer gedruckten Zeitschrift).

Das zeigt schon, dass auch die Themen Intranet und App nicht ohne eine Content-Strategie gedacht werden können und umgesetzt werden sollten. Und dass jedes Unternehmen Besonderheiten aufweist, die die Kommunikation berücksichtigen muss. Bei der Union Investment etwa hängt der Erfolg einer Information noch stark davon ab, ob sie per Push oder nur per Pull angeboten wird. Für Ersteres wurde ein Relevanzfilter geschaffen: eine Auswahl der wichtigsten Inhalte wird per Mail und App an die 2900 Mitarbeiter gepusht, wodurch sich eine große Reichweite, messbar über Conversion Rates, erzielen lässt.

Immer noch beste Freunde: analog und digital

Anschließend stellte Holger Gläser, Leiter Interne Kommunikation der DB Fernverkehr, die Kommunikationsmaßnahmen der Deutschen Bahn für eine ganz andere Mitarbeiter-Zielgruppe vor: für Zugbegleiter, Lokführer, Servicepersonal für die Gastronomie und andere, mithin für Menschen, die viel unterwegs und kaum oder gar nicht über einen PC-Arbeitsplatz erreichbar sind. Auch hierfür wurden zunächst Kommunikations-Kategorien festgelegt, für die man anschließend die bestmöglichen Kanäle ausgewählt hat. Der Dreiklang bei der DB Fernverkehr lautet: thematisieren (über ein digitales Magazin), informieren (über eine Nachrichten-App), diskutieren (über „analoge“ Veranstaltungen).

Interessant also, dass die DB Fernverkehr auf einen Mix aus Information und Dialog von Angesicht zu Angesicht bzw. digital vermittelt setzt. Das eine muss das andere nicht ausschließen, im Gegenteil. Deutlich wurde auch, dass sowohl analoge als auch digitale Formate über großes Potenzial verfügen, aber für beide auch jeweils spezifische Hürden zu überwinden sind: damit eine Veranstaltung besucht werden kann, müssen Schichtpläne angepasst werden; damit eine Plattform genutzt werden kann, müssen Login-Prozesse möglichst einfach gehalten werden – alles lösbar, aber eben bereits bei der Konzeption zu berücksichtigen.

Facebook trifft WhatsApp trifft Mitarbeiter

Die Perspektive weitete dann abschließend Gläsers Kollege Jens Appelt, der beim Mutterkonzern, der Deutschen Bahn AG, die Multimedia-Kommunikation leitet und das Social Intranet „DB Planet“ vor rund einem halben Jahr eingeführt hat. „So etwas wie Facebook und WhatsApp für knapp 200.000 Bahn-Mitarbeiter etablieren“, lautete der Auftrag. Klingt einfach? Ist es aber nicht. Denn erstens mussten die Inhalte des klassischen Intranets integriert werden. Und zweitens galt es dabei, einen Technologiewechsel zu meistern, weg von Microsofts SharePoint hin zu einer Lösung des kleineren Anbieters Coyo, vor allem um dem Anspruch Mobile first gerecht zu werden.

Das Ergebnis kann sich sehen lassen und ist nach wie vor work in progress. Schon 5000 Gruppen gibt es innerhalb des Social Networks und als zentralen Einstieg einen Newsfeed, den sich jeder Mitarbeiter selbst konfigurieren, über den die Interne Kommunikation aber auch zentrale Botschaften senden kann. Und auch für andere Kanäle hat die Digitalstrategie Auswirkungen: Die Mitarbeiterzeitschrift DB Welt etwa wird sich stark verändern und ab nächstem Jahr seltener und mit Schwerpunktausgaben zu bestimmten Themen erscheinen.

Jede Menge Fragen gab es an die Referenten, so dass die beiden Arbeitskreis-Leiter Andrea Montua und Christian Buggisch sich nur um eines Sorgen machen mussten: das Zeitmanagement. Doch falls Fragen offen geblieben sein sollten: neues Jahr, neue Arbeitskreis-Treffen, bei denen mit Sicherheit auch digitale Themen wieder eine Rolle spielen werden. Der erste Termin steht übrigens schon fest: Am 26. Januar trifft sich der Arbeitskreis in Berlin zum Thema „Change-Prozesse und Interne Kommunikation“. Anmelden können Sie sich dafür schon jetzt hier.

 

Autor: Christian Buggisch, Leiter Corporate Publishing bei DATEV

 

Foto-Credit: 301+Kim, Unsplash

Digital Storytelling: Wenn aus Mitarbeitern Stars werden

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Wir denken, träumen und leben in Geschichten. Und seit jeher teilen wir Geschichten mit anderen, in Zeiten der allumfassenden Sharing-Kultur sogar noch intensiver. Mit digitalem Storytelling können Mitarbeiter zu Teilnehmern erzählter Ereignisse werden – eine große Chance für die Interne Kommunikation! Denn das digitale Erzählen ist nicht einfach ein weiteres Instrument im großen Orchester der Internen Kommunikation. Es ist ein Tool, um die Mitarbeiter auch visuell ins unternehmerische Rampenlicht zu rücken. Und ihnen so nicht nur eine Plattform zu bieten, auf der sie authentisch Stellung zu betrieblich relevanten Belangen nehmen können, sondern ein Medium zu schaffen, mit dem jeder seine „5 Minutes of Fame“ erleben, zum betriebsinternen Star werden kann. Für viele eine nicht zu unterschätzende Geste der Wertschätzung.

Große Marken, große Emotionen

Ob New York Times oder Süddeutsche Zeitung, die Big Player auf dem Medien-Markt machen es sehr erfolgreich vor: im digitalen Journalismus hat sich Multimedia-Storytelling bereits klar durchgesetzt. Denn es ist emotional, erzeugt starke innere Bilder und Gefühle. Kurz: Digital Storytelling macht Geschichten erlebbar. Eine ideale Online-Geschichte kombiniert daher erzählende Elemente mit digitalen Formen wie Video und Audio.

Auch die Marketing- und PR-Abteilungen großer Konzerne wie Ebay oder Nike nutzen diese Möglichkeiten bereits sehr erfolgreich – ihre Videos sind millionenfach geklickt und längst viral. Die Technologien hierzu werden sich schnell weiter entwickeln und in Zukunft wird Digital Brand Storytelling noch wichtiger. Das sieht auch MontuaPartner Communications-Geschäftsführerin Andrea Montua so:

„In der Internen Kommunikation wird sich Digital Storytelling immer mehr durchsetzen – und eröffnet ganz neue Möglichkeiten für spannende, emotionale und packende Geschichten.“

Für Eilige: 5 Tipps zum Digital Storytelling

  1. Auf Qualität pochen Diese Kommunikationsform ist für Laien nicht unbedingt selbsterklärend. Entsprechende Schulungen und Workshops für involvierte (IK-)Mitarbeiter garantieren eine professionelle Ausführung des digitalen Erzählens.
  2. Die Rampensau identifizieren Motivieren Sie Führungskräfte und Mitarbeiter zur tatkräftigen Mitgestaltung interner Storytelling-Beiträge. Je begeisterter und authentischer die Protagonisten, desto überzeugender die Beiträge.
  3. Nicht mit Emotionen geizen Keine Angst vor große Gefühlen! Nüchtern mögen die Mails der Geschäftsführung sein – digitales Storytelling aber soll das Herz erreichen (und bestenfalls erweichen).
  4. Strategie als Grundrauschen etablieren Bitte keine Einzelmaßnahmen-Aktion ohne konzeptionellen Unterbau: Das digitale Storytelling ist nur ein Element im Kommunikationsmix – und sollte stets strategisch eingebunden sein.
  5. Eine Botschaft fokussieren Externe und interne Kommunikation muss aus einem Guss sein, denn: auch hausinterne Beiträge können sich über Unternehmensgrenzen hinweg verbreiten – und sollten daher stimmig mit externen Botschaften harmonieren.

Für Leser mit mehr Muße: Digitales Erzählen in der IK

Digital Stories sind immer nur so gut wie ihre Bedeutungsträger – und da kann die Interne Kommunikation naturgemäß aus dem Vollen schöpfen: Wer motivierte Mitarbeiter oder Führungskräfte als unternehmensinterne Helden für digitale Geschichten gewinnt, ist fast schon auf der Zielgeraden. Das zeigt das Video eines Hamburger Hafenunternehmens. Der Zweiminüter überzeugt durch tolle Bilder und eine fesselnde Story – mit einem Ziel: alte Mitarbeiter zu binden und neue zu gewinnen. Der Kanal für die Botschaft ist gut gewählt: die Geschichte vom Brückenfahrer ist einzigartig und persönlich, nur er kann sie so authentisch und emotional erzählen. Kein anderes internes Medium kann so viele Sinne gleichzeitig ansprechen – und damit direkt ins Herz treffen. Gleichzeitig erzeugt die digitale Geschichte eine positive und starke Botschaft für das Unternehmen. Ein Umstand, den sich die Interne Kommunikation in Zukunft regelmäßig zunutze machen sollte.

Gefragt ist Fingerspitzengefühl …

Besonders beim internen Digital Storytelling gilt allerdings: Die Geschichte darf die Außendarstellung des Unternehmens nicht konterkarieren. Denn: Werden Aktionäre gerade über Stellenabbau informiert, kann der CEO in einer internen Audiobotschaft nicht von sicheren Arbeitsplätzen sprechen. Digitale Geschichten – auch wenn sie für die IK bestimmt sind – verbreiten sich in den Sozialen Medien rasend schnell und entziehen sich daher jeglicher Kontrolle. Ein von der IK strategisch geplantes und gesteuertes Kommunikationskonzept kann derartige Imageschäden bereits im Vorfeld vermeiden.

Was konzeptionell für die Kommunikationsprofis noch zu bedenken ist: Die digitale Story im Social Intranet konkurriert mit der Timeline bei Facebook, der Podcast vom Lieblingsmoderator und die Videogeschichte des Kranfahrers mit dem neuesten Youtube-Clip. Kurz: Es geht um Aufmerksamkeit – und die ist begrenzt. Deshalb muss die Geschichte überraschend und emotional erzählt sein, der Beitrag professionell produziert und der Kanal richtig gewählt werden. Das ist ein Handwerk, das gelernt sein will – und sollte. Daher empfehlen sich entsprechende Workshops und Schulungen für involvierte Mitarbeiter, um das Potenzial des neuen Mediums voll ausschöpfen zu können.

Wenn die IK das digitale Storytelling richtig beherrscht, verfügt sie damit über ein starkes Instrument, das dem gesamten Kommunikations-Orchester eine neue Tonalität verleiht – und so mitreißend aufspielen kann.

Wer sich intensiver in das Thema einlesen will, dem sei diese weiterführende Lektüre empfohlen:

  • Der Beitrag von Silvia Ettl- Huber „Storytelling in der Internen Kommunikation. Merkmale, Wirkung, Anwendungsfelder, strategische Verankerung“, in: Melanie Malczok, Peter Szyszka, Interne Organisationskommunikation, Springer Fachmedien Wiesbaden, 2016.

sowie

  • Dieter Georg Herbst, Thomas Heinrich Musiolik: Digital Storytelling: Spannende Geschichten für interne Kommunikation, Werbung und PR, UVK, 2016.

 

Copyright Aufmacherfoto: Jad Limcaco, Unsplash