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Die Besserwisser-Roboter

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Es ist längst keine SciFi-Vision mehr: Chatbots – profan gesprochen: hirn- und seelenlose Roboter-Software – haben sich bereits jetzt ihre Nische in der externen und internen Kommunikation erobert. Aus dem Randdasein wird bald ein Platz im Rampenlicht, sind sich Experten einig. Chatbots sind die Zukunft der Kommunikationsbranche. Und bevor einem jetzt die Haare zu Berge stehen. Die tun nichts – die wollen nur helfen. Aber funktioniert das tatsächlich?

Hallo, wer spricht da, bitte…?

Der nette Chatbot von nebenan hat einen Namen und meist auch ein sympathisches Gesicht. Oft sind es Abbilder von Frauen, das sind wir von digitalen Sprachassistentinnen wie Siri, Alexa & Co. bereits gewöhnt. Frauen(-stimmen), wissen Forscher, kommen einfach besser an. Und so sind die virtuellen Helfer oft mit einer fiktiven weiblichen Persönlichkeit ausgestattet. Da fällt es manchmal schwer zu entscheiden: Ist das nun ein Bot oder eine reale Person am andere Ende? Und genau so soll es im Idealfall auch sein.

Chatbots erobern die Welt

2020 werden 80 Prozent aller Unternehmen Chatbots in ihrer Kundenkommunikation einsetzen, so eine Studie im Auftrag von Oracle, einem führenden Cloud-Anbieter. Denn im Kundenservice sind Chatbots bereits klar im Vorteil: Sie bearbeiten schneller als ihre menschlichen Kollegen die Flut an Anfragen. Das spart Zeit, Ressourcen und sorgt bestenfalls für zufriedenere Kunden. Dank fließenden Übergängen zur künstlichen Intelligenz sind Chatbots zudem (nahezu) lernfähig. Sie können erfolgreich zwischen standarisiert bearbeitbare Anfragen und Anfragen mit individuellem (menschlichen) Betreuungsbedarf trennen. Klar ist jedenfalls: Die Zukunft des Kundendienstes ist digital, wie wir bereits in einem früheren Blogbeitrag festgestellt haben.

Mein bester Freund und Helfer

Francisco Otto, Keynote-Speaker der Future Convention 2017, geht sogar noch einen Schritt weiter: In seiner Version der Zukunft hat jeder Mensch seinen persönlichen Chatbot, der alle Anliegen in unserem Interesse bearbeitet – oft auch vorausschauend. So skizziert Otto ein Szenario, in dem der Chatbot selbstständig per Messenger Bescheid gibt, dass er beispielsweise eine passende Stellenausschreibung entdeckt hat und auch schon Immobilienmarkt- und Kinderbetreuungssituation vor Ort geprüft hat.

Wichtiger Bestandteil dieser Vision ist ein bereits jetzt deutlich erkennbarer Trend: Wir nutzen immer weniger Apps, nur die Messenger halten sich konstant. So ergreifen mehr und mehr Unternehmen die Chance und integrieren ihre Angebote und Services in die Messenger, allen voran Facebook Messenger. Nutzer freuen sich hier insbesondere auf und über die Möglichkeit, unkompliziert Termine zu planen, Auskünfte zu erhalten oder Tickets zu buchen. Best-Practice-Beispiele von Unternehmen, die bereits erfolgreich mit Chatbots operieren, häufen sich mittlerweile: Besonders erwähnenswert ist der Facebook-Bot der niederländischen Fluggesellschaft KLM Royal Dutch Airlines, der alle wichtigen Daten rund um den Flug generiert. Und der britische Bot „Renters Union“ bietet sich als Rechtsberater für Mieterinnen und Mieter an.

Quo vadis, IK-Chatbot?

Auf der Hand liegt die Anwendung von Chatbots in der internen Kommunikation dort, wo sie auch in der externen ihre Anfänge hatte: im internen Kundenservice, beispielsweise als erste Anlaufstelle für Fragen an die HR-Kollegen. Wo liegt nochmal der Urlaubsantrag? Wie bekomme ich eine vermisste Abrechnung erneut ausgestellt? Noch weiter gedacht in Ottos Vision, würde jedem Angestellten eines Unternehmens in Zukunft ein Bot zur Seite gestellt, der fach- und hierarchieübergreifend Antworten liefern kann, weil er auf alle Daten Zugriff hat.

Schöne, neue Welt

Doch eine Umfrage im Auftrag des Digitalverbandes Bitkom (Link am Textende) zeigt auch die Grenzen von Chatbots auf: Derzeit können sich nur ein Viertel der Befragten vorstellen, einen Chatbot zu nutzen. Bei den eher Abgeneigten ist der häufigste Grund, nicht mit einem Computer sprechen zu wollen. Freundliche Stimme und attraktives Gesicht hin oder her: Vertrauen in eine Maschine fällt uns nicht so leicht, wie das in ein Gegenüber aus Fleisch und Blut. Im schlimmsten Fall entsteht Unsicherheit und Misstrauen.

Genau an dieser Schnittstelle liegt die Chance für IK-Chatbots: in einer ausgewogenen und transparenten Kombination aus effizienten, digitalen Angeboten und des zwischenmenschlichen Kontakts – den nichts und niemand ersetzen kann. Denn wie stets in der Internen Kommunikation geht es auch in dieser Fragestellung zwischen realem und künstlich-intelligentem Dialog um den passenden Kommunikationsmix – den richtigen Zeitpunkt dafür und ein stimmiges Mischungsverhältnis muss dabei jedes Unternehmen für sich selbst finden.

 

Hier finden Sie die eben erwähnte Bitkom-Studie.

 

Copyright Aufmacherbild: Jens Johnsson, Unsplash

Kundendienst 4.0: Tschüss, Schema F!

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Wer kennt das nicht: Erst hängt man bei der Hotline gefühlte Stunden in der Warteschleife. Und dann gerät man an einen Callcenter-Agent, der seine nur minimal hilfreichen Antworten von irgendwelchen Vordrucken abzulesen scheint. Kundendienst geht anders. Aber wie?

Über welche Skills müssen Kundendienst-Mitarbeiter von heute überhaupt verfügen? Sind Bots der Kundendienst der Zukunft? Und wie müssen interne Kommunikationsstrukturen aufgebaut sein, damit wichtige Informationen zur richtigen Zeit am richtigen Ort sind? Das diskutieren MPC-Geschäftsführerin Andrea Montua und Oliver Nissen, Leiter Social Media im Kundenservice der Deutschen Telekom, in der aktuellen Ausgabe der „Marketing Review St. Gallen“. Für den Kundendienstrevolutionär Nissen liegt auf der Hand: „Mitarbeiter müssen den Kunden dort abholen können, wo er steht. Statt ihn dort zu suchen, wo es ein Prozess oder eine Sprachregelung vorgeben.“

Machen Roboter den besseren Job?

Im Zuge der Digitalisierung werden Kundenservices zunehmend automatisiert, sei es in Form von Self-Service-Plattformen oder Chat-Bots. Studien sprechen im Falle eines funktionierenden digitalen Services von einer möglichen Steigerung der Kundenzufriedenheit um ein Drittel – bei gleichzeitiger Kosteneinsparung  (Link am Textende). Doch diese Entwicklung hat laut Oliver Nissen auch eine klare Bedingung: „Wertprägende und besonders loyalitätsstiftende Tätigkeiten übernehmen weiterhin Menschen und werden die Kern-Aufgaben eines Kundenberaters ausmachen.“

Denn Kunden fragen, kommentieren, kritisieren via E-Mail, Telefon, Facebook – und nicht selten über mehrere Kanäle zugleich. Die Erwartungen an eine zeitnahe und individuelle Reaktion sind hoch, weiß Andrea Montua:  „Wenn der Kundenberater die Eingangstür zum Unternehmen ist und der Kunde an dieser Stelle schon eine schlechte Erfahrung macht, gefallen ihm mit großer Wahrscheinlichkeit auch das Unternehmen und dessen Produkte nicht (mehr).“

Management muss Vertrauen lernen

Doch wie transformiert ein Unternehmen seine Callcenter-Agenten zu selbstbewussten Troubleshootern mit super Einfühlungsvermögen für Kundenwünsche? „Eine gelungene Veränderung im Kundenservice im Zeitalter der Digitalisierung ist ein Kommunikations­-Dreiklang: Individualisierung der Beratung in Richtung Kunden, zielgruppengerechte Individualisierung der Information nach Innen und Individualisierung der Führung“, erläutert Andrea Montua. Nur mit allen notwendigen Informationen und größtmöglichem Vertrauen seitens des Managements ausgestattet, können die Berater wirklich den Dienst am Kunden ins Zentrum rücken.

„Allerdings fühlen sich Führungskräfte oft in einer Sandwich­position, wenn Effizienzthemen den empathischen Anforderungen an ihren Führungsstil diametral gegenüberstehen“, warnt Montua. Hier braucht es „Support aus dem Top-Management“, so Nissen, und täglich vorgelebte Freiräume und Vertrauen.

Beide Experten sind sich einig: Mit exzellenter Vorbereitung und konsequenter Begleitung durch derartige Change-Prozesse meistern Agents ihre neue Aufgabe mit Engagement und dem nötigen Selbstvertrauen. Und be(sch)reiten somit den Weg für die Zukunft des Kundendienstes.

 

Vollständiger Artikel: Kommunikation bleibt das A und O erschienen in Marketing Review St. Gallen

McKinsey-Studie zu digitalem Service: McKinsey: Why companies should care about e-care

Copyright Aufmacherbild: Christian Stahl auf Unsplash