Apr 20, 2017 / von Alke von Kruszynski in News, Wirtschaft / Kommentieren

Stress, die Volks- und Unternehmenskrankheit

Der jüngste Unheilsbringer aus dem Überlastungskosmos heißt „Rushing Women Syndrom“ und fasst als Begriff den gesundheitlichen Schaden zusammen, den das Leben auf der beruflichen und privaten Überholspur bei Frauen anrichtet. Geprägt hat ihn die Biochemikerin Dr. Libby Weaver: Sie dokumentiert seit langem, welche alarmierenden biochemischen und hormonellen Auswirkungen der Dauerlauf im Hamsterrad auf Frauen hat.

„Das Gefühl, ständig in Eile zu sein, schadet der Gesundheit der Frau massiv und auf nie dagewesene Weise“, kommentiert Weaver das Phänomen, dem sie vor allem mit ernährungswissenschaftlichen Abwehrmaßnahmen begegnet. Ihre Bücher zum Thema stehen in Australien und Neuseeland auf den Bestsellerliste, Ende April 2017 erscheint das gleichnamige Werk zum Syndrom in deutscher Übersetzung.

Längst reißt die Veränderungsgeschwindigkeit der letzten Dekaden Männer wie Frauen gleichermaßen mit, im Berufsleben und im Privaten, wo selbst die Kinder in den Stress-Strudel mitgezogen werden. Jenseits von Arbeitsstunden und Schreibtischen sind Menschen jeden Alters und Geschlechts digital in Hab-acht-Stellung, permanent erreichbar und unter dauerndem Optimierungsdruck, den „Freunde“ gegebenenfalls auch noch via Facebook verfolgen. Parallel weichen im Beruf Sicherheiten kontinuierlich weiter auf, hangeln sich Arbeitnehmer durch Zeitverträge oder Projektarbeit.

Diese prekären Strukturen setzen immer mehr Menschen unter Stress, sie leiden unter psychischen und physischen Folgen. Sie klagen über hohen Leistungsdruck im Job, über eine mangelnde Fehlerkultur, zu wenig Wertschätzung und Schwierigkeiten bei der Vereinbarkeit von Beruf und Privatem.

Stress beeinflusst Erfolgschancen 

Zwar scheint Stress auch ein individuelles Thema zu sein. Doch das Phänomen der gestressten Gesellschaft gewinnt spätestens über die Krank- und Burnout-Meldungen zunehmend an Bedeutung, wenn es um Wettbewerbsfähigkeit und nachhaltigen unternehmerischen Erfolg geht. Doch wie lässt sich Stress in der Wirtschaft reduzieren? Braucht es andere Strukturen, mehr Eigenverantwortung? Wie binden Firmen ihre Arbeitnehmer besser ein, bevor sie in eine ohnmächtige Starre verfallen?

Antworten und Anregungen zu diesen und vielen weiteren Fragen fasst eine Broschüre der Bertelsmann Stiftung aus 2015 zusammen: „Alle Achtung vor dem Stress“ basiert auf einer Diskussionsrunde mit 25 Experten, zeigt Hintergründe, praxistaugliche Lösungswege und Handlungsalternativen auf und ist auch Jahre nach Erscheinen weiterhin hochaktuell.

Weaver_Das-Rushing-Woman-Syndrom„Rushing Woman Syndrom. Was Dauerstress unserer Gesundheit antut“, kostet 19,90 € und kann ist beim TRIAS-Verlag erhältlich.

Die umfassend zum Thema informierende Broschüre der Bertelsmann Stiftung finden Sie hier.

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